Coronavirus – die Stunde der Blockwarte und Leugner?

Neulich musste ich echt an mich halten, dem früheren Chefredakteur der Financial Times Deutschland und jetzigen GF einer Springer-Tochter nicht mit politisch ziemlich unkorrekten Worten mal ordentlich die Meinung  ob seiner – unter dem Label „Axel Springer“ – mit Hilfe eines Videos verbreiteten unterschwelligen Forderung nach Verhängung eines Ausgangsverbotes zu geigen (hier). Nicht ganz ironiefrei fragen einige der Foristen unter dem von ihm publizierten Video  denn auch, wieso er – so als vernünftiger Mensch – überhaupt draußen war und das Video drehen konnte. Schon seit nunmehr zwei, drei Wochen schrecken mich diverse Meldungen und „Warnungen“ „wohlmeinender“ Journalisten (s. nur hier und hier), aber auch angebliches „Diskussionen“ unter Medizinern und „Krisenexperten“ (hier und hier), auf. Allen ist gemeinsam die (plötzliche?) vorgebliche Sorge um die Menschen – die sich doch alle (?) nicht richtig benehmen – und die man dementsprechend erziehen „muss“. Während sich also scheinbar Experten untereinander anzicken und Journalisten sich als oberste Gralshüter des „Wahren, Guten und Schönen“ gerieren, sitze ich hier mit – wie Sie vielleicht an meiner Wortwahl schon erkannt haben – nicht ganz so entspannter Attitüde. Was der arme Herr Stocker – ebenfalls von Springer, aber der WELT – in der letzten Woche dann auch gleich abbekam (hier). Sorry an dieser Stelle noch mal für meinen Ausfall.

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Morning Briefing 27. März 2020 – Cyber-Special

Guten Morgen,

Am Anfang der Coronakrise war die Politik das Problem, weil sie keine Ahnung von Virologie hat. Nun regieren die Virologen, die leider wenig von Wirtschaft verstehen.“ Mal eine selten reflektierte Äußerung im Hurrablatt der deutschen Wirtschaft (hier). Derzeit stehen wir im Wettbüro und haben eine Trifecta ersten Ranges laufen. Die Frage ist bei diesem „Rennen“ allerdings nicht, wer als erster durchs Ziel kommt, sondern wie viele der drei nun folgenden „Zieleinläufe“ wir überhaupt verkraften können: Die (tödlichen) Folgen des Virus, die kommende Rezession und/oder die – aus beidem folgende – gesellschaftliche Zerreißprobe.

Die Antwort darauf wird maßgeblich von den Politikern abhängen, die sich mit dem „Corona-Folgen-Abmilderungsgesetz“, im Wege eines Ermächtigungsgesetzes – zumindest was den ersten Zieleinlauf angeht – selbst in die Lage gebracht haben, dass ihnen bei einem Versagen die Ausreden ausgehen werden. Wenn mit der Pandemie der erste „Läufer“ im „Ziel“ ist, wird Herr Drosten durch einen „Wirtschaftsexperten“ ersetzt werden, so viel dürfte sicher sein. Aber, im Gegensatz zu Viren läuft die Wirtschaft nicht „wie ein Uhrwerk ab“ (Originalton Herr Kekulé), sondern „More often than not, business is smell, feel and touch as much as or more than numbers.“, wie Jack Welch zu sagen pflegte. Ich hoffe, dass die Politiker das ebenfalls begreifen, bereite mich aber als Sanierungsberater schon mal auf die Triage von Unternehmen beim zweiten Zieleinlauf vor. Und erst danach werden die gesellschaftlichen Folgen richtig zum Tragen kommen.

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Morning Briefing – 26. März 2020 – Dividende // Aktienrückkäufe // Boni

Guten Morgen,

Während die Zahl der Infizierten / Toten (37.323 / 206, (JHU)) in Deutschland steigt, stellt sich heraus, warum das RKI mit seinen Meldungen über Fallzahlen (s. hier: 36.508 / 198) ständig hinterhinkt: „Das [die Meldung von Infektionen] geschehe in der Regel per Fax, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Baden-Württemberg auf Anfrage mit. Die Mitarbeiter der Gesundheitsämter in den Städten und Landkreisen prüften die Fälle anschließend und erfassten sie händisch in einem digitalen Meldesystem, das die Daten an die Landesbehörden übermittelt. Diese importieren die Fallzahlen in eine Datenbank und übermitteln sie täglich um 15.00 Uhr an das RKI.“ (Der Spiegel, hier). Schatzi meinte dazu nur lapidar, dass die Übermittlung von Gesundheitsdaten per EDV wegen der DSGVO ja auch problematisch sein könnte. Tja, watt mutt, datt mutt halt…..

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Morning Briefing 25. März 2020 – Müller // Feld // Dibelius

Guten Morgen,

Rettungsschirm – der Bundestag wird heute – nach nur halbstündiger Aussprache (!) – über das „Corona-Abmilderungsgesetz“ abstimmen (hier), das so ziemlich den heftigsten Eingriff in die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft seit Bestehen der Bundesrepublik beinhaltet. Eins, meine Damen und Herren, kann ich Ihnen jetzt schon sagen: Anwälte werden an den entsprechenden (Verfassungs-)Klagen reich werden….

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Morning Briefing – 24. März 2020 – Abgeordnete // Beamte // Bürger

Guten Morgen,

Also, der für Heinsberg (in Deutschland) zuständige Landrat ruft (sehr öffentlichkeitswirksam) nach chinesischer Hilfe für die Bekämpfung der Corona-Krise in seinem Landkreis (hier). Zuvor hatte nicht nur Herr Maas in einer Geste guten Willens Schutzkleidung nach China geliefert (hier), sondern Herr Spahn scheinbar auch Warnungen eines Herstellers vom 5. Februar 2020 (!) in den Wind geschlagen, wonach die Chinesen gezielt den europäischen Markt für Schutzkleidung leer kaufen würden (hier, Zitat: „Durch die Corona-Epidemie in China sei es Ende Januar zu einer Flut von Bestellungen von Mundschutz, Atemschutz und Hygienebekleidung gekommen. Bei den meisten habe es sich um Neukunden gehandelt, die im Auftrag von Chinesen bestellten. Innerhalb nur eines Tages seien dadurch Monatsbestände versandt worden.„). Und dann liefert die Bundesrepublik in der letzten Woche erst einmal Beatmungsgeräte nach Italien (hier). Derweil gehen dem Beschaffungsamt der Bundeswehr sechs Millionen (SECHS Mio.!) Schutzmasken in Kenia (?) verloren (hier). Und jetzt will Herr Spahn mehr Kompetenzen an sich ziehen (hier) – und das wahrscheinlich vor einem verkleinerten Parlament (hier)? Muss ich dazu jetzt eigentlich noch nen Kommentar schreiben oder ist das schon selbsterklärend?

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Morning Briefing 23. März 2020 – Mundschutzmasken // Einzelhandel // Medizintechnik

Bevor ich an dieser Stelle überhaupt weiter diskutiere: Read.This.Article! Nach meiner Ansicht die derzeit umfassendste für Laien verständliche Darstellung zum Umgang mit dem Coronavirus. Wenn Sie dann noch Lust und Zeit haben, hören Sie sich noch den Podcast von Prof. Dr. Drosten vom Freitag an (hier), der gerade – in meinen Augen völlig zu Unrecht – von Herrn Steingart im Morning Briefing zerrissen wird (hier). Aber hören Sie selbst.

Lagerkoller bei Herrn Steingart? Ich weiß es nicht, denn er stellt ja an sich schon die richtigen Fragen – so, wie geht das eigentlich mit der Demokratie zu, wenn die umfassendsten Beschränkungen von Freizügigkeit und Versammlungsfreiheit seit Ende des 2. Weltkrieges ohne Parlamentsbeschluss zu Stande kommen? Auch wenn Frau Merkel gerne das Wort „Ausgangssperre“ vermeidet, so dürfte „Kontaktverbot“ doch nur noch einen „rechtlichen Millimeter“ davon entfernt sein (s. dazu hier).

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Morning Briefing – 20. März 2020 – Konjunktur // Koma // Danach

Guten Morgen,

Selbst Herr Müller (das ist übrigens der Bürgermeister von Berlin) gibt jetzt den Söder (oder Macron für Arme), der mit markigen Worten („wir werden härter durchgreifen„) seine vorherigen Böcke vergessen zu machen sucht (s. nur hier).  Angesichts der nun ansteigenden Zahlen (13.957 Infizierte / 31 Tote (RKI)) erhöht die Politik den Druck auf die Bevölkerung, doch jetzt mal alle bitte vernünftig zu sein, sonst… (hier). Zum einen übersieht die Politik dabei geflissentlich, dass das RKI selbst ausführt, dass sich die Wirkungen von getroffenen Maßnahmen erst in zehn bis zwölf Tagen überhaupt zeigen werden (hier). Nimmt man z.B. als „Tag Null“ nur, Freitag, den 13. (März), dann dürften die ersten Auswirkungen auf Fallzahlen frühestens ab 23. März, eher wohl ab 27. März, zu sehen sein. Sprich, selbst wenn wir alle HEUTE nur noch in den vier Wänden bleiben, treten die Effekte erst so ab dem 6. April in Form von sinkenden Fallzahlen ein.

Anders herum formuliert: Vielleicht würde ja das bisherige Distancing schon ausreichen, um einerseits die Fallzahlen nicht so ansteigen zu lassen, dass unser Gesundheitssystem kollabiert und andererseits wir vor dem Jahr 2030 die erforderliche Durchseuchung (oder, was ich gestern gelernt habe „Herdenimmunität“, sehr guter Artikel dazu hier) erreichen. Zum anderen ist die Aussage „Der Samstag ist ein entscheidender Tag“ ja super, so an Genauigkeit fast nicht zu überbieten. Wie misst dann der „Kanzleramtschef“ bitte genau die Unvernunft „am Samstag“. Stichprobe am Kotti (Cottbusser Tor, für Nichtberliner)? Da kann er jetzt auch direkt zumachen und sich die Show sparen. Oder am Prenzl-Berg? Die Mitte-Hipster feiern sich doch jetzt schon ob ihrer tollen Show aus dem Home-Office bei „Insta“, die hamstern per Lieferando und gehen gar nicht mehr raus.

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Morning Briefing 19. März 2020 – Hedge Fonds // Short Seller // Versandhandel

So, die Kanzlerin hat gesprochen (hier) – und wir haben (entgegen meiner Prognose von gestern, hier) (noch) keine Ausgangssperre. Dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis die kommt – wo die Politik doch jetzt „jeden einzelnen Bürger“ in die Pflicht nimmt – nachdem sie vorher bei der Einschätzung der und Vorbereitung auf die Krise komplett versagt hat. Beispiele gefällig? Lesen Sie mal das aktuelle Morning Briefing von Herrn Steingart (hier und Vorgestern schon hier, soviel vorweg: Der wird bei der Kanzlerin nicht mehr zum Tee eingeladen). Oder hören Sie in der Mediathek der Öffentlich-Rechtlichen nach, wie Herr Lauterbach und Herr Laschet zugeben, dass sie die „Anflutung“ bei der Pandemie unterschätzt haben (Zusammenfassung hier). Aber nur, um dann anzuführen, dass „man in der Bevölkerung den Gong noch nicht gehört hat .“  Tja, geil, von dem eigenen Komplettversagen durch Publikumsbeschimpfung ablenken. Ich habe eh noch ein Special in Vorbereitung, bei der ich mir die Leistung unserer „Spitzenpolitiker“ in der aktuellen Lage näher anschauen will. Da dürfte auch Frau von der Leyen nicht fehlen, die auch erst mal zugeben musste, dass „wir alle“ den Virus unterschätzt hätten – aber jetzt müssten natürlich harte Maßnahmen her (hier).

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Morning Briefing – 18. März 2020 – Fehler // Lösung? // Blasenbildung

Guten Morgen,

„Niemand hat die Absicht eine Ausgangssperre zu verhängen“ (hier). Ich gebe der (restlichen) Bewegungsfreiheit in Deutschland gleichwohl nur noch 48, höchstens aber 72 Stunden – dann werden die Politiker sich wieder einem – imaginären – Druck irgendwelcher Pressehäuser beugen (s. nur hier) und angesichts des (natürlich völlig unvorhersehbaren) Anstiegs der Fallzahlen (kommt davon wenn man Exponentialismus nicht versteht, s. hier oder auch die „Logik des Misslingens“ nicht kennt) eine allgemeine Ausgangssperre als „alternativlos“ verkünden (natürlich nur, weil die Bürger so unvernünftig sind).

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„2020 – Cassandras Blick in die Glaskugel“ – in Zeiten der Corona

Normalerweise veröffentliche ich um diese Jahreszeit unter der Rubrik „In eigener Sache“ meinen jährlichen „Cassandra-Ruf“, sprich die Prognose fürs Jahr (s. zuletzt hier). Könnte ich auch dieses Jahr wieder machen, denn die ZInsO hat zuverlässig wie immer meine Prognosen veröffentlicht.  Und das Ergebnis (das Sie hier selber lesen können) lässt sich in meinen Augen durchaus sehen. In dieser Prognose, die den Informationsstand vom 24. Januar 2020 abbildet, hatte ich allerdings noch nonchalant darauf hingewiesen, dass „quasi als „Joker“ in 2020 die aktuelle Corona-Pandemie für eine wesentliche Verschlechterung des Basisszenarios sorgen könnte.“ (s. ZInsO 2020, 441, 464). Nun ja, wir wissen mittlerweile aus einschlägigen Filmen, wie unberechenbar der Joker sein kann. So unberechenbar, dass ich nun schon Mitte März meine Jahresprognose für 2020 revidieren darf.

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