Inflation – aufwärts immer, abwärts nimmer?

Und auch heuer wieder mein monatlicher Blick auf die Entwicklung der Inflation (zuletzt hier). Ein Horrorfilm, kann man nur sagen:

Deutschland: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/05/PD22_221_611.html

7,9% nach 7,4% im Vormonat (hier). Jetzt sind wir bei den Vergleichen schon in den frühen 70er Jahren: „Ähnlich hoch wie im Mai 2022 war die Inflationsrate in Deutschland zuletzt im Winter 1973/1974, als infolge der ersten Ölkrise die Mineralölpreise ebenfalls stark gestiegen waren.“ (Destatis)

Euro-Zone: https://www.handelsblatt.com/finanzen/geldpolitik/preise-rekordinflation-im-euro-raum-preise-steigen-um-8-1-prozent/28386698.html

8,1% Inflation in der Eurozone.

EZB: https://www.wiwo.de/politik/deutschland/ezb-und-die-inflation-inflation-i-wo-oder-jetzt-doch-isabel-schnabels-meinungswechsel/28302010.html

https://www.spiegel.de/wirtschaft/zinserhoehung-der-ezb-im-juli-moeglich-sagt-isabel-schnabel-a-c44c1261-e9ef-4495-8c0b-ef3cb11ba6a4

Hach, liebe WiWo, ab und an weine ich dem Abo doch hinterher, Spitzen“daumenkino“ zur wankelmütigen Frau Schnabel. Die EZB will jetzt ab Juli die Zinsen erhöhen. Zu spät, zu wenig, etc.

GB: https://www.welt.de/wirtschaft/article238829323/Inflation-Hoechster-Wert-in-Grossbritannien-seit-40-Jahren.html

9% nach 7% im Vormonat, wohl nicht ganz zu Unrecht warnt der Chef der BoE vor „apokalyptischen“ Lebensmittelpreisen auf der Insel (hier).

https://www.ft.com/content/5001ffb8-96d6-4e1a-a9dc-5ad4470930c7

Die Bank of England hat den Leitzins auf 1% angehoben, weil sie von einer demnächst zehnprozentigen Inflationsrate ausgeht, die auch nicht vor Ende 2022 zurückgehen soll. Sie sieht eine Rezession für 2023 voraus. Na dann Prost. Auf jeden Fall ehrlicher, als die EZB.

Türkei: https://www.welt.de/wirtschaft/article238563859/Inflation-in-der-Tuerkei-steigt-auf-70-Prozent.html

70% Inflationsrate – hollatheforrestferry kann man da nur sagen.

USA: https://www.handelsblatt.com/finanzen/geldpolitik/verbraucherpreise-inflation-in-den-usa-bei-8-3-prozent-lebensstandard-der-amerikaner-erodiert/28326634.html

https://www.handelsblatt.com/finanzen/geldpolitik/geldpolitik-us-finanzministerin-yellen-habe-inflation-unterschaetzt/28390196.html

In den USA ist die Inflationsrate im April um 0,2% gegenüber dem März gefallen, ist aber mit 8,3% nach wie vor galaktisch hoch. Wenigstens konnte sich Frau Yellen dazu durchringen, zuzugeben, dass sie sich bezüglich der Inflationsentwicklung getäuscht hat. Nicht nur unterscheidet sie das von ihren europäischen Amtskolleginnen, nein, sie war ja auch diejenige, die im Jahre 2018 zumindest versucht hat, diesen Geld-Irsinn durch Zinserhöhungen wieder einzufangen.

Prognose: https://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/liegt-der-hoehepunkt-der-inflation-hinter-uns/

https://www.spiegel.de/wirtschaft/inflation-in-deutschland-gespenster-die-gekommen-sind-um-zu-bleiben-kolumne-a-fb42f5ac-4231-4cc0-be1c-d8615873825d

Peak-Inflation (TBO)? I highly doubt it. Aber auch Herr Müller vom Spiegel sieht es anders. Dessen Argumentation unterschreibe ich Wort für Wort.

Energiekrise: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/energiekrise-wer-am-ende-in-die-roehre-schaut-kolumne-a-16b5113a-ff99-43f9-8f27-f025485a6871

https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/energiepreise-firmen-verschieben-investitionen-a-7f5ee516-ac4b-4a1c-abb9-4ec87a4ffcd5

Die Entwicklungen im Energiebereich zeigen, wie sich die Komination aus Inflation und Embargo auswirkt – nicht positiv.

Banken: https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/banken/finanzaufsicht-bafin-warnt-vor-folgen-des-ukrainekrieges-kraeftiger-zinsanstieg-koennte-banken-in-schwierigkeiten-bringen/28298406.html

Ah, also der Krieg in der UKR führt zu Zinserhöhungen, nicht die vorherige, komplett aus dem Ruder gelaufene Geldpolitik der Zentralbanken (s. nur hier für eine anschauliche Grafik). Und oh, die Zinserhöhungen könnten zum Risiko für die Banken werden. Dann hoffen wir mal, dass die Deutsche Bank genügend Puffer aus ihrem Quartalsgewinn von Euro 1,1 Mrd. gebildet hat (hier).

Fazit: Die Inflation steigt und steigt. Und ein Ende ist schon deswegen nicht mehr abzusehen, weil jetzt die sog. „Zweirundeneffekte“ deutlich werden: Mieterhöhungen werden nicht nur bei Vonovia (hier) ein Thema sein, sondern auch bei den Tarifverhandlungen (die IG Metall fordert für die ostdeutschen Beschäftigen 8,2% Lohnerhöhung, hier). Angesichts des Wohnraum- und Fachkräftemangels wären entsprechende Erhöhungen sowieso gekommen, aber jetzt werden sie höher ausfallen. Und dann läuft die Spirale. Vor diesem Hintergrund halte ich die Andeutungen, die Inflation könnte ihren Höhepunkt haben, für Wunschdenken.

Die Auswirkungen dieser womöglich stetig steigenden Inflation können vielfältig sein. So mehren sich scheinbar Streßanzeichen im Finanzbereich (hier und hier). Das wäre natürlich der Mega-Gau, wenn auf die gegenwärtigen Krisen noch eine neuerliche Finanzkrise draufgesetzt würde. Aber wer wollte solche eine Entwicklung ausschließen? Aber die erforderlichen Schritte der Zentralbanken zur Bekämpfung der Inflation (s. dazu hier und hier), könnten eben so gut die Stabilität des Finanzsystems gefährden (auch durch einen „umgekehrten Währungskrieg“, s. hier). Sprich, die Medizin dürfte nicht ohne Nebenwirkungen bleiben – dies zeigen nicht nur die Artikel zur Energiekrise. Denn auch, wenn das IFO-Institut derzeit „keine Anzeichen für eine Rezession“ sieht (hier), heißt das nicht, dass die Rezession nicht schon an der nächsten Ecke wartet (s. zu „Multikrisen“ hier). Sprich, im Zweifel werden wir gefangen in einer Zweitrundenspirale in eine Rezession abdriften – und das ist dann immer noch nicht das Ende der Fahnenstange. Aber, gibt es Alternativen? Derzeit sehe ich sie eher nicht. Dafür haben die Zentralbanken zu lange gewartet, um die Inflation effektiv zu bekämpfen. Jetzt dürfte nur ein „whatever it takes“ helfen, um das Inflationsgespenst wieder zurück in die Flasche zu bekommen.

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