Morning Briefing – 19. September 2019 – Repo // NIRP// China

Guten Morgen,

Wie prognostiziert, hat der Chef der US Notenbank, Mr. Powell, gestern die Senkung des Leitzinses um weitere 0,25% verkündet, so dass die Spanne jetzt nur noch 1,75% bis 2,00% beträgt (gute Analyse von Wolf hier). Der Effekt allerdings blieb zumindest aus Börsensicht überschaubar, denn  weder der Dow Jones (+0,13%) noch der Nikkei (+0,46% ) noch der Shanghai Composite (aktuell +0,19%) legten ein „Kursfeuerwerk“ hin. Wie nach dem Abfallen der Börsenkurse nach dem Zücken der Bazooka durch Herrn Draghi galt wohl auch gestern die alte Börsenregel „Buy the rumors, sell the news“ – die Zinssenkung war schlicht schon eingepreist.

Gleichwohl dürfte die Zinssenkung – genau wie der nach den Angriffen vom Wochenende wieder sinkende Ölpreis (hier) – zumindest kurzfristig die Weltwirtschaft wieder etwas stabilisieren. Allerdings reichen diese Schritte möglicherweise nicht aus, wie nicht nur der nachfolgende Post zu „Repos“ zeigt.

Repo: https://www.manager-magazin.de/finanzen/boerse/federal-reserve-system-fed-interveniert-massiv-am-geldmarkt-a-1287396.html (Danke, msc!)

https://www.zerohedge.com/markets/dollar-funding-storm-set-make-landfall-weeks-what-happens-next

https://www.zerohedge.com/markets/did-fed-fail-repo-rate-refuses-drop

https://www.zerohedge.com/markets/repo-calypse-ruins-bank-run-oil-mageddon-ripples-through-markets

https://www.ft.com/content/2c11a972-d941-11e9-8f9b-77216ebe1f17

https://www.zerohedge.com/health/fed-begins-repo-operation-funding-rates-ominously-elevated-across-board

https://www.zerohedge.com/markets/ny-fed-announces-third-consecutive-repo-operation-thursday-815am

Sie wissen nicht, was ein „Repo“ ist? Ich bis vorgestern auch nicht (mehr). Als Zerohedge zum Wochenende mit reißerischen Schlagzeilen auf potentielle Liquiditätsprobleme im Interbanken-Markt in den USA hinwies und den Einsatz von Repos prognostizierte (hier), habe ich das zunächst als eine der üblichen Übertreibungen abgetan. Aber spätestens seit der Schlagzeile der Financial Times gestern, dass die US-Fed erneut „Übernacht“-Liquidität für die Banken zur Verfügung stellen würde, ist klar, dass Zerohedge nicht übertrieben hat. Und die dritte Repo-Auktion in Folge ist für heute auch schon angekündigt.

Warum ist das so alarmierend? Weil auch letzte Finanzkrise mit Liquiditätsengpässen im Interbanken-Markt startete: „Als Beginn der Finanzkrise wird der 9. August 2007 festgemacht, denn an diesem Tag stiegen die Zinsen für Interbankfinanzkredite sprunghaft an.[1]“ (aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltfinanzkrise). Irgendwas ist da also anscheinend faul im Bankensystem…

NIRP: https://www.ft.com/content/09360f2e-98b4-11e9-9573-ee5cbb98ed36

Guter Kommentar von Gilian Tett in der FT zu den Risiken, wenn die Anleger sich zu sehr auf ständig fallende Zinsen verlassen, ergänzt um zwei gute Kommentare von Wolf (den einen hatte ich, glaube ich, schon mal), der zum einen herausarbeitet, dass die zwischenzeitlich sehr niedrigen Zinsen auch mit Marktmanipulationen seitens der großen Investmenthäuser zusammenhängen können, die – im Sinne der Greater Fool Theory – hoffen, bei einer weiteren Senkung der Zinsen die von Ihnen zwischenzeitlich erworbenen Anleihen profitabel veräußern zu können. Zum anderen geht er aber nach Analyse der Pressekonferenz der US Fed gestern davon aus, dass die Fed die Zinsen nicht in den negativen Bereich absenken wird. Das wäre dann ein „harter“ Backstop für die „Investoren“ – die das vielleicht gar nicht antezipieren.

China: https://wolfstreet.com/2019/09/17/chinese-companies-dump-us-other-foreign-assets-become-net-sellers-overseas-for-first-time/

Diese Analyse passt gut zu einigen vorherigen an dieser Stelle – u.a., dass die chinesischen Investoren den deutschen Automobilbereich meiden (hier). Wenn aber „die Chinesen“ als potentieller Käufer ausfallen, dürfte das auch liquiditätsmäßig am Markt „auffallen“.

Historisch: 1873: Der Gründerkrach erreicht New York City. Das in Eisenbahnen und Immobilien engagierte Bankhaus Jay Cooke & Company geht Bankrott. Es kommt zu einem Bankansturm der Anleger, die Börse New York Stock Exchange wird für zehn Tage geschlossen.

2008: Zur Eindämmung der überbordenden Finanzkrise, die immer neue Großbanken mit unabsehbaren Konsequenzen in den Abgrund zu reißen droht, werden in den USA, Großbritannien und Deutschland Leerverkäufe von Bankaktien erschwert oder untersagt. Außerdem schildern US-Finanzminister Henry Paulson, Fed-Chef Ben Bernanke und der Chef der US-Börsenaufsicht Christopher Cox Präsident Bush und danach führenden Kongressmitgliedern einen umfassenden Rettungsplan für das Bankensystem. Dem US-Steuerzahler drohen damit gigantische Belastungen, die ohnehin schon hohe Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten wird weiter steigen, die Rettungsmaßnahmen werden teilweise als Bankrotterklärung der freien Marktwirtschaft bezeichnet. Nach mehreren Tagen außergewöhnlicher Verluste reagieren die Aktienmärkte weltweit jedoch mit starken Kurssteigerungen. Der DAX gewinnt 5,56, der SMI 6,07 und der ATX 11,50 Prozent (aus: https://de.wikipedia.org/wiki/19._September)

Starten Sie gut in den Tag!

Viele Grüsse,  

-tz 

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