Morning Briefing – 16. März 2020 – Cyber // Blackout // Äußere Sicherheit

Guten Morgen,

So, angesichts der nun auch in Deutschland steigenden Fallzahlen (Stand 08:30 Uhr: 5.813 Infizierte / 13 Tote) greift die Politik durch und „zündet“ eine die Wirtschaft stützende Bazooka (hier), schließt die Grenzen zum Ausland (hier) und Schulen (hier) und verbietet alles Mögliche (hier). Die Dynamik der Lageeentwicklung (das „P“-Wort will ich mal nicht in den Mund nehmen), erkennt man unschwer daran, dass am Dienstag letzter Woche noch ernsthaft darüber diskutiert wurde, das Fußballspiel Union vs. Bayern vor vollen Rängen zu zeigen (hier) und (bis auf die „Bazooka“) alle vorgenannten Entscheidungen erst über das jetzt hinter uns liegende Wochenende getroffen wurden. Die Frage ist, auf welcher Grundlage und mit welcher Überlegtheit diese Entscheidungen getroffen wurden, bzw. welchen Einfluss die Infizierung einiger Mitglieder der politischen Klasse mit dem Virus (hier) auf diese Entscheidungen hatte. 

Die Panne des Robert-Koch-Instituts vom Freitag, als auf Grund falscher Berechnungen der vorliegenden Zahlen ein Anstieg der Erkrankungen um 10% anstatt um 50% gemeldet wurde (s. dazu hier) sollte in diesem Zusammenhang eine Warnung an die handelnden Personen sein, die vorhandene Datenlage selbst auszuwerten und sich eine eigene Meinung zu bilden – bevor sie in Aktionismus verfallen. Einige Foristen unter einem Welt-Artikel tun das scheinbar und hatten schon weit vor der Korrektur durch das RKI  den Fehler gefunden (hier, s. Leserkommentare). Aber nicht nur simple Rechenfehler dürften das Lagebild über die Pandemie derzeit verschärfen. Vielmehr dürfte ein klares Lagebild schon daran scheitern, dass die Testkapazitäten gar nicht so hoch sind, um ausreichend Verdachtsfälle prüfen zu können (s. hier). Das heißt, unsere Bundeskanzlerin kann noch nicht mal „auf Sicht“ fahren, was sie sonst so gerne tut – sie kann sich nur auf hoffentlich einigermaßen stimmige Hochrechnungen stützen, wenn sie oder andere politische Entscheidungen treffen.

Denn – wie sagt man so schön? – ein Unglück kommt selten allein. Schauen wir am Anfang dieser Woche dann doch mal auf so einige andere Risiken, die gerade auf Grund der aktuellen Krisenlage auch in akute Gefährdungen umschlagen könnten – und weitere politische Entscheidungen benötigen könnten:

Cyber: https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/schwachstelle-in-der-chip-architektur-weitere-sicherheitsluecken-in-prozessoren-von-intel-entdeckt/25633084.html

https://amp2-handelsblatt-com.cdn.ampproject.org/c/s/amp2.handelsblatt.com/technik/it-tk/it-sicherheit-der-perfekte-koeder-cyberkriminelle-nutzen-die-corona-panik/25641346.html

Wie wäre es denn jetzt noch mit einem etwas umfassenderen Cyber-Angriff? Z.B. über die Schwachstellen in Intel-Prozessoren? Auf jeden Fall sollten die Mitarbeiter vielleicht auch im Home-Office darauf achten, dass sie keine privaten Sticks in die Dienstrechner stecken…..

Blackout: https://www.welt.de/wirtschaft/article206425873/Uniper-Chef-Die-Gefahr-eines-Blackouts-ist-da.html

„Das hat man kürzlich in Großbritannien gesehen. Der große Blackout im August vergangenen Jahres geschah an einem Tag, an dem fast 65 Prozent Windenergie im System waren. Die britische Regierung hat daraus Lehren gezogen und eine Ausschreibung für Kraftwerkskapazitäten gemacht, die als Momentanreserve einspringen können, um die Netze zu stabilisieren.“

Ach ja, wäre ja auch mal was interessantes, so on top…

Äußere Sicherheit: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Bundeswehr-sagt-Grossmanoever-wegen-Coronavirus-ab,aktuelllueneburg3354.html

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-03/bundeswehr-afghanistan-bundestag-nato-resolute-support

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/coronavirus-in-der-truppe-ist-die-bundeswehr-noch-einsatzfaehig-a-00000000-0002-0001-0000-000169988516

Diese Meldungen lasse ich mal einfach so für sich stehen….

Fazit: Wie ich mittlerweile mantramäßig wiederhole: Die Corona-Krise ist ein Katalysator für alle möglichen Entwicklungen – sprich, schon laufende Trends werden sich beschleunigen und verstärken. Mal abgesehen von den wirtschaftlichen Entwicklungen („Crash“) und den ungelösten Flüchtlingsfragen dürfte das Risiko von Cyber-Angriffen bei der derzeit massenhaft ablaufenden Umstellung auf Home-Office-Tätigkeiten stark steigen. Aber auch ein Blackout – etwa wegen (coronabedingter) Minderabnahmen in Kombination mit starkem Wind und hoher Sonneneinstrahlung dürfte nicht ausgeschlossen sein – dann brauchen wir allerdings auch keine Angst mehr vor Cyber-Attacken zu haben… Und die äußere Sicherheit der Republik war auch schon mal besser entwickelt….

Historisch: 1830: Die New York Stock Exchange verzeichnet den geringsten Tagesumsatz ihrer Geschichte. Von 80 Millionen gelisteter Aktien werden nur 31 Stück gehandelt (Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/16._M%C3%A4rz)

Keep calm & carry on.

-tz 

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