Morning Briefing – 6. August 2020 – Journalismus-Special

Guten Morgen,

Mit Blick auf mein letztes Journalismus-Special (hier) kann ich nur sagen, dass die Presse die letzten sieben Wochen aber so gar nicht zum Lernen aus dem Rezo-Desaster genutzt hat. Bespiel gefällig?

„Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.“

Mit „sie“ ist übrigens die Gesamtheit der deutschen Polizei gemeint. So zu lesen in der taz Mitte Juni (hier). Auch wenn sich die taz selber in einem SEHR lesenswerten Kommentar dann doch mal selber an die Nase fasst (hier; das hätte ich auch gerne mal bei den konservativen Medien gesehen), zeigt es doch, wie sehr die Presse selber die Spaltung der Gesellschaft nachzeichnet und gleichzeitig vorlebt.

Grund genug, mal wieder eine aktuelle Bauchnabelschau der schreibenden Zunft zu betreiben:

Fleischhauer: https://www.focus.de/politik/deutschland/schwarzer-kanal/die-focus-kolumne-von-jan-fleischhauer-selbstbetrug-unter-journalisten-wenn-medien-einfach-eine-welt-erfinden_id_12198291.html

Der Fleischhauer ist genau das, was dem narzisstischen Spiegel derzeit fehlt. Aber es wird schon seinen Grund haben, warum er da weg ist….

Richter: https://www.cicero.de/kultur/journalismus-haltung-gesinnung-glaubwuerdigkeit

Ja, Holla, the forrest fairy! Da bläst aber der ex-Chefredakteur des auch nicht gerade mit Samthandschuhen agierenden ZDF-Formats „Frontal 21“ seiner Zunft mal so richtig den Marsch. Allein schon stilistisch ein Genuß.

Pressekodex: https://de.wikipedia.org/wiki/Pressekodex

https://www.lancaster.ac.uk/staff/smithb1/text207/presse/nach.htm

Hier der von Herrn Richter genannte Pressekodex einschließlich Hintergrund. Da kann die taz-Redaktion mal ein bisschen drin lesen.

Fazit: Während Herr Rezo ja eher konservative Blätter kritisierte, hat es die taz geschafft, auch linke Blätter ins Rampenlicht der Kritik zu hieven. In meinen Augen schenken sich aber beide „Richtungen“ überhaupt nichts mehr – weder im tatsächlichen noch im übertragenen Sinne. Die Haltung (oder Gesinnung) dringt aus jedem Knopfloch, egal, ob „links“ oder „rechts“. Und dabei bin ich selten von der Fachkompetenz der Autoren angetan.

Historisch: “Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen.“ (Voltaire)

Keep calm and carry on!

-tz 

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