Morning Briefing 5. September 2019 – Brexit-Special

Guten Morgen,

Noch 56 Tage und der Rest von heute bis zum Brexit – oder auch noch 148, dann nämlich, wenn das gestern beschlossene No-No-Deal Gesetz von Mr. Johnson umgesetzt wird, er also eine erneute Frist der Verlängerung in Brüssel beantragt UND die einzelnen EU-Staaten diesem Ersinnen auch bis zum 31. Oktober 2019 zustimmen (mehr dazu im gut hörbaren Beitrag des Info-Radios, hier). Passend zu diesem historischen Ereignis titelt SPON: „Schlacht von London, 2019„. Hoffen wir mal, dass SPON nicht denselben Fehler macht, wie ich bei der Vorhersage der Krise: die guten Überschriften zu schnell vergeben. Denn die Irrungen und Wendungen in dieser „Story“ kann man einfach nicht mehr vorhersagen. Aber: Großes Kino.

Nach dem letzten Special vom 21. Juni (hier) und einer Betrachtung der potentiellen Folgen eines hard Brexit am 22. August 2019 (hier) also mal wieder ein passender Zeitpunkt für ein Brexit-Special:

Automotive: https://www.welt.de/wirtschaft/article199395312/Mini-Rover-Jaguar-Brexit-laesst-britische-Autoindustrie-taumeln.html

Der bereits im letzten Special problematisierte Abschwung im britischen Automobil-Bereich beschleunigte sich in den letzten Monaten eher noch – und dauert mittlerweile länger, als bei der letzten Finanzkrise.

Wirtschaft: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/brexit-grossbritanniens-wirtschaft-leidet-unter-politischem-chaos-a-1285062.html

Es ist offensichtlich, dass der Abschwung in einer der zentralen britischen Industrien nicht spurlos an der Wirtschaft vorbeigeht, aber auch in anderen Bereichen, wie etwa dem Bau sind jetzt Bremsspuren deutlich zu sehen.

Pfund: https://www.finanzen.net/nachricht/devisen/euro-am-sonntag-devisenwette-britisches-pfund-am-brexit-chaos-verdienen-7916132

https://www.welt.de/finanzen/plus199655880/Britisches-Pfund-Absturz-offenbart-Johnsons-riskante-Brexit-Strategie.html

Kurzzeitig ist das britische Pfund auf ein 34-Jahrestief im Vergleich zum US-Dollar gefallen. Schon scheinen „Investoren“ auf weitere Einbrüche des Pfunds zu wetten, wie zuletzt vor 27 Jahren ein gewisser George Soros (hier). Die Folgen waren ein Desaster für Großbritannien.

Finanzen: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Brexit-saugt-1-3-Billionen-Euro-aus-London-ab-article21235882.html

„Am Ende des Prozesses werden wir Vermögenswerte in Höhe von rund 1,3 Billionen Euro haben, die von London in den Euroraum verlagert werden“ – so die EU-Bankenaufsicht. Da fast 7% des britischen BIP aus Finanzdienstleistungen stammen (hier) dürfte sich die Kontraktion des britischen BIP eher noch beschleunigen.

Fazit: Es ist schwer, genuine (negative) Brexit-Effekte von solchen eines allgemeinen Wirtschaftsabschwungs zu unterscheiden. Klar ist aber, dass bereits die sich ständige Unsicherheit über den Ausgang des Brexit nun zu massiven Verlagerungen von Waren- und Finanzströmen und damit Arbeitsplätzen aus UK hat.

Historisch: 1929: Der französische Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger Aristide Briand schlägt auf einer Versammlung des Völkerbundes die Bildung einer europäischen Zoll- und Handelsunion als Vereinigte Staaten von Europa vor. Die Idee wird kaum zur Kenntnis genommen (aus <https://de.wikipedia.org/wiki/5._September)

Ich wünsche einen guten Start in den Tag! Oder, wie der gemeine Brite in diesen Tagen häufiger zu sagen pflegt: „Keep Calm and Carry On!“

Viele Grüsse,  

-tz 

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