Morning Briefing – 5. Juli 2021 – Russland – Autarkie, aber um welchen Preis?

Guten Morgen,

Nachdem ich am Donnerstag letzter Woche (hier) u.a. die Entwicklung der geo-politischen Sicherheitslage auch mit Blick auf Russland kommentiert hatte, heute dann der versprochene Blick auf die dortigen aktuellen Entwicklungen (s. zuletzt hier):

Wirtschaft: https://www.gtai.de/gtai-de/trade/wirtschaftsumfeld/wirtschaftsausblick/russland/wachstum-mit-angezogener-handbremse-584942

https://www.handelsblatt.com/politik/international/russland-verheerendes-zeugnis-fuer-putin-russland-muss-sich-neu-erfinden/27253004.html?ticket=ST-2762460-p4NqQLcncyUikdEPHbxB-ap5

https://www.wiwo.de/politik/deutschland/russland-putins-oekonomisches-scheitern/26628570.html (2020)

https://www.welt.de/wirtschaft/article188725931/Russland-Putins-Staat-geht-es-blendend-nur-die-Menschen-darben.html (2019)

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/russland-erwartet-2019-langsameres-wirtschaftswachstum-a-1252851.html (2019)

https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/russland-wirtschaftsmacht-von-wladimir-putin-im-ost-west-konflikt-a-1253598.html (2019 – Müller)

Zwar fiel der wirtschaftliche Einbruch Russlands im Zuge der Corona-Krise mit -3,0% geringer aus, als in den meisten anderen Industriestaaten, dementsprechend wird aber auch ein im Verhältnis zu diesen anderen Staaten nur ein verhältnismäßig geringes Wachstum für 2021 (+2,9%) und 2022 (+3,2%) vorhergesagt. Auch in den Vorjahren blieb das Wirtschaftswachstum Russlands hinter dem der Weltwirtschaft zu Grunde. Keine gute Ausgangslage.

Corona: https://www.nzz.ch/international/coronavirus-in-russland-impfkampagne-verfehlt-ziel-ld.1633872

https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_90359472/delta-desaster-wie-russland-in-der-pandemie-so-versagen-konnte.html

Russland wird nun auch von der Delta-Variante heimgesucht und es rächt sich, dass das Impftempo mit dem (wohl durchaus wirksamen) „hausgemachten“ Sputnik V-Impfstoff auch deswegen so schleppend ist, weil zahlreiche Impfdosen exportiert wurden.

Staatsverschuldung: https://ostexperte.de/russland-staatsverschuldung-steigt/

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/171417/umfrage/staatsverschuldung-von-russland-in-relation-zum-bruttoinlandsprodukt-bip/

https://de.rbth.com/wirtschaft/82463-raus-aus-schulden-russland-reserven

https://www.focus.de/finanzen/boerse/gold/weg-mit-dem-dollar-her-mit-gold-putin-ist-der-weltgroesste-goldspekulant_id_13411995.html

Selbst wenn – wie angekündigt – die Verschuldungsquote Russlands bis 2023 tatsächlich auf 21,3% des BIP steigen sollte, so wäre das im Vergleich zu anderen entwickelten Nationen doch noch sehr gering. Und – wenn die Angaben stimmen – dürfte Russland auf Grund der Aufstockung der Goldreserven in den letzten Jahren – seine Staatsverschuldung in Gold aufwiegen können.

Banken: https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/finanzkrise-russlands-bankenrettung-deutlich-teurer-als-erwartet/23976994.html

https://www.nzz.ch/wirtschaft/russlands-banken-fallen-wie-dominosteine-ld.1339827?reduced=true#register

Bereits 2017 musste Russland drei private Banken, die sich verspekuliert hatten, verstaatlichen. Der Preis der Rettung kommt die Staatskasse teuer zu stehen. Aber im Vergleich zu den Kosten der Bankenrettung westlicher Staaten erscheinen die Kosten verkraftbar.

Sicherheitspolitik: https://www.nzz.ch/meinung/abschied-vom-russki-mir-russlands-neue-aussenpolitik-ld.1586938

https://www.zeit.de/politik/2021-07/schwarzes-meer-russland-uebungsfluege-kampfjets-bomber-nato-manoever-ukraine

Fazit: Auch wenn aktuell wenig wirtschaftliche Daten zu Russland im Internet kursieren, so ist offensichtlich, dass die russische Wirtschaft im Vergleich zu anderen Staaten nur moderat wächst. Allerdings „pumpt“ Herr Putin augenscheinlich das Wachstum auch nicht mit einer erhöhten Neuverschuldung auf – oder zumindest nicht in dem Umfang, wie ihn westliche Staaten betreiben. Das Land scheint sich tatsächlich in Richtung einer (von Herrn Putin gewollten) Autarkie zu entwickeln. Unter dieser Stabilität (Stagnation?) leidet allerdings die wirtschaftliche Stabilität dieses Landes. Und so dürften die von Herrn Müller bereits 2019 (s. oben) genannten drei „Bremsklötze“ der Wirtschaft (1. Abhängigkeit von Öl & Gas, 2. Demographie, 3. sklerotische Bürokratie) auch weiterhin Geltung beanspruchen.

Aber: Zum einen ist Russland auf eine etwaige Finanz-und Wirtschaftskrise globalen Umfangs gut vorbereitet und zum anderen hat es über die Jahre auch die (militärischen) Mittel (wieder) entwickelt, diese Unabhängigkeit vor der Einflussnahme Dritter zu schützen. Dementsprechend kann Herr Putin die westliche Welt mit allerlei „Nadelstichen“ vor sich hertreiben – egal, ob Manöver vor der Nase der Nato-Truppen (oben), Cyber-Attacken (aktuell hier) oder militärische Experimente in Syrien. Der Westen hat dem wenig entgegenzusetzen.

Spruch des Tages: „Wir wissen jetzt, daß wir keine Europäer sein können, daß wir nicht imstande sind, uns in eine der westlichen Lebensformen zu pressen, die Europa aus seinen eigenen nationalen Prinzipien heraus geschaffen und erlebt hat, Prinzipien, die uns fremd und zuwider sind.“ – Dostojewski

Keep calm and carry on!

-tz 

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