Morning Briefing – 30. April 2020 – Medien-Special

Guten Morgen,

Nicht nur Herr Spahn kann zeigen, dass die Regierung ihre eigenen Regeln nicht verinnerlicht (s. Aufzug, hier), nein auch Frau Kramp-Karrenbauer kann das (hier). Parallel zu den „Darwin-Awards“ sollte man vielleicht einen Preis schaffen, der die besten Kommunikationsdesaster unserer „Führungspersonals“ „ahndet“….

Aber, gut drei Wochen nach meiner „Ode an die Freiheit“ (hier), die eher ein Hilferuf nach  auch öffentlicher Diskussion über Alternativen in dieser wieder erneut „alternativlosen“ Zeit war, ist genau diese Diskussion (endlich!) in vollem Gang – und zwar nicht nur bei den Linken. Auch Konservative, wie Herr Schäuble (hier und hier), beziehen endlich einmal Stellung für die Freiheit. Bei den Grünen fällt diese Rolle (natürlich möchte man meinen) Boris Palmer zu (hier). Vielleicht auch nicht die geschickteste Äußerung – aber allemal besser, als Herr Habeck. Wer war das noch mal?

Und, was machen die Medien in dieser Zeit? Schauen wir uns das mal in (fast nahtloser) Fortsetzung meines letzten Medien-Specials (hier) mal an:

Medienstaatsvertrag: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/die-eu-kommission-koennte-den-medienstaatsvertrag-kippen-16738781.html

„Killt die EU die Medienpolitik?“ – wäre ja der Brüller…. wenn die gute alte Institution der deutschen Staatsmedien über Europa fallen würde. Glaube ich aber erst, wenn ich es sehe.

Journalismus: https://www.stern.de/p/plus/kolumnen/unter-quarantaene–wenn-einem-das-eigene-leben-entgleitet-9184962.html

Hans-Ulrich Jörges und die Gästeliste. Dass ein Journalist sich (privat!) abends und beim Rotwein mit der (militärischen) Elite des Landes trifft, spricht Bände über seine journalistische Unabhängigkeit. Die Non-Chalance, mit der er diesen Umstand darstellt, spricht Bände über seine Abgehobenheit. Und, sorry, es ist dann schon eine Ironie des Journalismus, wenn sich diese jet-settende „Elite“ dann gleich erst mal gegenseitig mit Corona eindeckt. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Journalismus: https://www.rubikon.news/artikel/ich-schame-mich

Oha, das nenne ich mal ne Generalabrechnung: „Wie ein Berufsstand, der als unabhängige, kritische, unvoreingenommene Vierte Gewalt die Mächtigen kontrollieren soll, ebenso blitzschnell wie nahezu einmütig derselben kollektiven Hysterie erliegen kann wie sein Publikum und sich für Hofberichterstattung, Regierungspropaganda, expertengläubige Vergötterung der Heiligen Kuh Wissenschaft hergibt: Das ist mir unbegreiflich, es widert mich an, ich habe genug davon, ich distanziere mich voller Fremdscham von dieser unwürdigen Performance.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Fazit: Im Großen wie im Kleinen zeigen die Institutionen des Journalismus eine Verkrustung, die die anderer klassischer Institutionen, wie etwa der Kirche oder der Politik, in nichts nachsteht. Und diese Erstarrung der 4. Gewalt macht mir Sorgen, angesichts der vor uns liegenden Probleme. Denn in einer Zeit, wo der Streit um richtige Lösungen das Lebenselexier (!) wäre, droht, sich eine Einheitsmeinung, von der Erich Honecker nur hätte träumen können, wie Blei über das Land zu legen. Aber seit drei Wochen keimen ja – wie das Eingangsstatement zeigt – einige Pflänzchen der Hoffnung. Ich wünsche uns allen, dass sie mehr werden – und wachsen, die unabhängigen Stimmen.

Historisch: 1895: Der Autor Oskar Panizza wird wegen Blasphemie zu einem Jahr Einzelhaft verurteilt. Seine antikatholische Groteske Das Liebeskonzil war für die Münchner Staatsanwaltschaft ein Stein des Anstoßes. Es ist die härteste je im Deutschen Kaiserreich gegen einen Literaten verhängte Strafe (Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/30._April).

Ich wünsche ein schönes 1. Mai-Wochenende.

Keep calm & carry on.

-tz 

2 Gedanken zu „Morning Briefing – 30. April 2020 – Medien-Special“

  1. Es gibt noch Verteidiger der Grundrechte. Urteil des Saarl. Verfassungsgerichtshofes vom 28.04.2020, Lv7/20: Freiheitseinschränkungen benötigen eine tatsachengestützte Begründung von Risiken.
    Ich bin kein Freund von MP Laschet. Aber wie die Mainstreamjournalisten über seine völlig gerechtfertigten Äußerungen bei Illner herfallen, ist skandalös. Gott sei Dank gibt es die NZZ und den Kommentar von Eric Gujer vom .1.5.2020 (www.nzz.ch).

    1. Besten Dank, Herr Kopp, für den Hinweis. Sehe ich aus so. Der Damm dürfte aber jetzt auch (endlich) gebrochen sein, s. mein heutiges Morning Briefing.

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