Morning Briefing – 19. Oktober 2018 – Kredite // Zombies // Kredite

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Guten Morgen,

Erinnern Sie sich noch an Charles Prince? Ich auch nicht, bis mir Herr C. neulich dessen – aus dem Jahr 2007 stammenden – Spruch schickte (Danke dafür): „Solange die Musik spielt, musst du aufstehen und tanzen.“ Wenn man dieses Bild auf die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen überträgt, dann wird gerade Techno mit 140 beats aufgelegt – so schnell drehen sich die Märkte. Als Anhänger der „Tipping-Point-Theorie“ (s. hier) habe ich dieses Zitat mit dem von Hemingway gekontert, der auf die Frage „How did you go bankrupt?“ mit „Two ways. Gradually, then suddenly.” entgegnete. In diesem Sinne könnte die Entwicklung an den Märkten für Aktien, Anleihen, Devisen, etc. vielleicht doch abrupter kippen, als ich selber denken würde. Die „Vorzeichen“ stehen heute sogar „günstig“: Der Shanghai Composite Index hat in der Nacht fast 3% verloren (hier)! 

Die Zeit des Wartens können wir uns derweil mit einem Blick auf die heiß gelaufenen Kreditmärkte vertreiben. Wie sagte Herr Gerold Grasshoff von BCG doch so schön: „Die schlechtesten Kreditentscheidungen trifft man häufig vor dem Abschwung.“ (Danke auch hierfür, Herr C.) Na, denn man tau:

Kredite: https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/firmenkredite-der-unheimliche-schuldenboom-der-deutschen-banken-beunruhigt-die-aufseher/23189882.html

Bereits am 2. Oktober hatte ich über einen anderen Handelsblatt-Artikel zu dieser Thematik berichtet (hier) und das Handelsblatt hatte in einem weiteren Artikel vom 3. Oktober erneut die Thematik kommentiert (hier, leider hinter Paywall, Danke msc!). Entwickelt sich das Handelsblatt jetzt doch zum Krisenwarner? Zu begrüßen wäre es ja.

Liest man alle drei Artikel im Kontext, dann erkennt man, was sich da zusammenbraut: Die Deutschen Unternehmen versuchen anscheinend, sich noch zu den derzeit günstigen Zinskonditionen mit Liquidität vollzupumpen, um für eine Krise gewappnet zu sein („Cash ist King“). Umgekehrt versuchen die Banken – trotz erster Krisenanzeichen – ihre Profite zu optimieren und erhöhen damit wohl nicht unwesentlich ihre Risiken, sollte die Krise tatsächlich eintreten.

Zombies: https://www.creditreform-giessen.de/nc/news/news/news-list/details/news-detail/ertraglose-unternehmen-in-deutschland-sommer-2018.html

Während Creditreform Ende 2017 den deutschen Unternehmen eine (für mich sehr) hohe „Zombie-Quote“ von 15%  attestierte (hier), sah die (staatliche) KfW diese Quote in diesem Sommer nur bei (unbedenklichen?) 5% (hier). In ihrer neuesten Studie – in der „Zombies“ nun als „ertraglose Unternehmen“ bezeichnet werden – sieht Creditreform nur noch eine Zombie-Quote von 6,8% bei deutschen Unternehmen. Nun denn. Angesichts der derzeitigen Darlehensvergabe-Praxis deutscher Banken dürften es noch ein paar mehr werden können…

Kredite: https://www.zerohedge.com/news/2018-10-18/were-uncharted-territory-historic-milestone-leveraged-loan-market-overtakes-junk

Deutschland steht mit dem Kreditboom wahrlich nicht alleine dar, wie Zerohedge eindrucksvoll belegt. Schon in der letzten Krise waren für Sanierer sog. Leveraged Buyouts, also kreditfinanzierte Unternehmensübernahmen ein Riesenproblem. Ich befürchte, das wird in der nächsten Krise nicht anders sein.

Historisch1987: Am Schwarzen Montag kommt es zum ersten Börsenkrach nach dem Zweiten Weltkrieg (aus: https://de.wikipedia.org/wiki/19._Oktober)

Ich wünsche einen guten Start in den heutigen spannenden Tag und schon mal ein schönes Wochenende!

Viele Grüsse,

-tz

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