Morning Briefing – 2. Oktober 2018 – ThyssenKrupp // Schulden // Ölpreis

IMG_5632 (2)(Quelle: Schatzi)

Guten Morgen,

Kommt die AfD in Bayern auf 20%? So die Vermutung eines Geschäftspartners. Angesichts des Politik-Stadls in Berlin vielleicht auch eine bildwirksame Vorstellung von einem Weckruf. Aber: Zumindest bei einer Umfrage am 12. September waren sich noch 45% der bayerischen Wahlberechtigten unsicher, wen sie denn nun wählen sollen (s. die gute Aufstellung beim Merkur hier, Danke, LF, für den Hinweis!). Also, gelaufen ist da noch gar nichts. Ich würde mich nicht wundern, wenn es die CSU doch noch über 40% schafft… Schaun mer mal. 

Ähnlich vertrackt ist die Situation bei der Vorhersage des nächsten Wirtschaftsabschwungs. Regelmäßige Leser meiner Posts werden sich jetzt gähnend zurücklehnen und fragen, was ich denn nu neues aus meiner Glaskugel zaubere. Meine Antwort: Nix, nickesses, wie in der letzte Woche auch. Angesichts des fortgesetzten Crashes von Schwellenländer-Währungen (s. nur die indonesische Rupie, hier) und der Zinsentwicklungen bei Anleihen (US, 10 Jahre, hier; Italien, 10 Jahre, hier), nicht zu sprechen von zahlreichen politischen Unsicherheitsfaktoren, dürften die Börsen eigentlich gar nicht so weit oben sein. Sind sie aber, genau so, wie Hummeln aller Gesetze der Physik zum Trotze fliegen können. Ich glaube, dass die Börsianer sich an jeder positiven Story berauschen (Tesla/SEC settlement (hier)), GE-Chef gefeuert (hier), etc., aber die negativen Stories, wie etwa Zinserhöhungen der Fed, konsequent durchignorieren, um die Party weiterlaufen zu lassen.

Und wenn die Party doch stocken sollte? Kein Problem, dann werden die Zentralbanken schon eingreifen – Negativzinsen und QE sind jetzt erprobt. Und da sind entgegen vieler Auguren noch einige Pfeile im Köcher. Wenn das noch nicht reicht, dann gibt es immer noch Helikopter-Geld.  So weit so gut. Man wird sehen, ob dieser „Narrativ“ zutrifft – zumindest die Zentralbanken haben aber „Incentive“ genug, die Story weiterlaufen zu lassen – alleine schon um sich nicht selber dem Vorwurf auszusetzen, sie könnten eine gehörige Portion Anteil an einem Crash haben.

Und die deutsche Lage? Ähnlich verworren:

ThyssenKrupp: https://www.wiwo.de/unternehmen/industrie/vorstandschef-guido-kerkhoff-wird-thyssenkrupps-hoffnungstraeger/23133456.html

Zwischen Brandbriefen und Konzernaufspaltung – ThyssenKrupp, Continental, Siemens, Daimler, VW, usw., usw. Die Liste der gerade in einer Restrukturierung befindlichen DAX-Titel ließe sich fast unendlich fortsetzen. Die Frage ist, warum diese Umbrüche gerade in dieser Boom-Phase stattfinden und ob und wie nachhaltig sie sein werden.

Schulden: http://www.xing-news.com/reader/news/articles/1723468?cce=em5e0cbb4d.%3AGRfpj0-6g3utgM2YWfQYAJ&link_position=digest&newsletter_id=37725&toolbar=true&xng_share_origin=email

Der Original-Handelsblatt-Artikel ist hinter der PayWall verborgen (hier), deshalb heute mal aus XING importiert. Nach HB-Informationen erhöhten die deutschen Mittelständler ihre Verschuldung um 6%, ihr Eigenkapital aber nur um 4,5% – sprich, im Schnitt sinkt die zuletzt hohe Eigenkapitalquote der Unternehmen wieder. Auch werden im Artikel dann mustergültige Mittelständler porträtiert, die „natürlich“ investieren. Die Frage ist aber, wie viele andere Unternehmen schlichtweg „leveragen“, also Schulden aufnehmen um der Schuldenaufnahme willen – weil es so schön billig ist. Letztendlich wird sich diese Frage erst in der nächsten Krise beantworten

Ölpreis: https://www.welt.de/wirtschaft/article181592754/Oelpreis-200-000-Faesser-Luecke-offenbart-eine-Zeitenwende.html

https://www.zerohedge.com/news/2018-09-23/oil-burden-rising-problem

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/amerikanische-sanktionen-grosse-sorge-um-den-oelpreis-15811169.html

https://www.fuw.ch/article/es-gibt-grenzen-fuer-den-oelpreis/

Klar ist, dass ein Teil auch des deutschen Booms in dem niedrigen Ölpreis seit 2014 begründet ist. Sollte der Ölpreis tatsächlich wieder in Richtung 100 USD/Barrel steigen, dürfte das umgekehrt auch eine Rezession befeuern. Allerdings würde ich dem fuw-Kommentator zustimmen, der so viele auseinanderstrebende Kräfte am Werk sieht, dass ein entsprechender Preisanstieg eher weniger zu befürchten sei.

Historisch: 1983: In Bangladesch gründet der Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus die Grameen Bank, die an ärmere Menschen Mikrokredite vergibt,

2008: Das US-Repräsentantenhaus billigt nach zweiwöchigen Verhandlungen das 700 Milliarden US-Dollar schwere Rettungspaket für das Finanzsystem mit 263 zu 171 Stimmen. Den in den USA tätigen Banken sollen damit faule Kredite abgekauft werden um zu gewährleisten, dass sich Banken untereinander wieder Geld leihen und die Finanzkrise ab 2007 so entschärft wird

(aus: https://de.wikipedia.org/wiki/2._Oktober)

Ich wünsche einen guten Start in den heutigen Tag und schon mal einen schönen Tag der deutschen Einheit!

Viele Grüsse,

-tz

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