Morning Briefing – 10. Januar 2022 – (europäische) Banken – eher Wackelkandidaten

Guten Morgen,

Trotz oder gerade weil die Banken gerade nicht so im Fokus der Öffentlichkeit stehen ist es Zeit, sich mal wieder mit der Bankenszene auseinanderzusetzen (zuletzt hier):

Status: https://www.mckinsey.com/industries/financial-services/our-insights/global-banking-annual-review?cid=other-eml-alt-mip-mck&hdpid=a7cf53b2-2b40-4999-a393-edb7a0825dd3&hctky=10042541&hlkid=427b372f69a14d798070b8a06fcec8da

„Thus far, banks have escaped the worst of the pandemic’s economic impact—they didn’t witness any abnormal losses, major capital calls, or “white knight” acquisitions, as in the last financial crisis. There were plenty of effects on the financial-services industry, though: to take just a few examples, the acceleration of digital banking, the rise of remote work, and the growing importance of sustainability were marked trends. Does that mean the future is bright and smooth for banks and their shareholders? Not quite; the industry’s outlook remains cloudy, particularly given that half of banks can’t cover their cost of equity. „ (McKinsey, Hervorhebung durch mich)

Aha, die Hälfte der Banken weltweit sind also nicht in der Lage, die Kosten für ihr eigenes Eigenkapital (ROE) zu erwirtschaften?

Profitabilität: https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/banken/finanzsektor-wenige-filialen-aber-viel-personal-sparen-deutschlands-banken-an-der-falschen-stelle/27942118.html

Aha, die vielgescholtenen Sparkassen und Volksbanken sind also profitabler als die Privatbanken?

Boni: https://www.xing.com/news/articles/gehalter-im-investmentbanking-neue-rekorde-neuer-arger-gerangel-um-die-millionen-boni-der-banker-4446437?cce=em5e0cbb4d.%3AS4T55OgUmX_nbdVc0cbdAB

https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-europas-banken-sitzen-in-der-bonusfalle/27851058.html

Aha, die Banker der Privatbanken schlagen sich also bei – offensichtlich niedrigerer Profitabilität – um höhere Boni?

Angestellte: https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/banken/finanzsektor-wenige-filialen-aber-viel-personal-sparen-deutschlands-banken-an-der-falschen-stelle/27942118.html

Und wieder mal wird das Parkinsonsche Gesetz in Deutschland bewiesen. In einem Artikel aus dem Jahre 1955 wies Parkinson nach, dass die Zahl der Admiräle der britischen Royal Navy NACH dem ersten Weltkrieg signifikant zugenommen hat, obwohl die Zahl der Kriegsschiffe signifikant abgenommen hat (hier). Und so dürfte es auch bei den Banken sein: Das „Fußvolk“ wird entlassen, dass Management hält sich selber am Leben….

Stellenabbau: https://www.wiwo.de/stellenabbau-unicredit-will-wohl-rund-3-000-weitere-jobs-streichen/27852104.html

Vor dem Hintergrund des vorigen Links und Kommentar stellt sich ja die Frage, wen die Unicredit nun vor die Tür setzen will.

Einlagensicherung: https://www.spiegel.de/wirtschaft/geldanlage-privatbanken-wollen-einlagensicherung-begrenzen-a-efff208a-efdf-40b4-95f0-2a263720c2ff

Aha, aber die Einlagensicherungen soll erst mal gekürzt werden; das ist bankenseitig so ziemlich die wichtigste Meldung des Jahres! Denn damit ist klar, dass bei den ersten Anzeichen auf Bankpleiten ein Bankrun einsetzen wird. Jetzt kann man natürlich sagen, dass die genannten Obergrenzen im Millionenbereich den „Otto-Normalo“ nicht so richtig tangieren würden. Aber dies ist ja der EINSTIEG. Genau so, wie bei den Strafzinsen, die jetzt immer geringere „Vermögen“ erfassen, kann man sicher sein, dass die Banken danach bestrebt sein werden, die Einlagensicherung immer weiter herunterzufahren. Damit dürfte ein „Samen“ für die nächste Finanzkrise gelegt sein.

Türkei: https://www.rnd.de/wirtschaft/tuerkei-was-die-lira-krise-fuer-europaeische-banken-bedeutet-DDXD3EUWOVHINFSVVFCY6VDFGE.html

„Was die türkische Lira-Krise für europäische Banken bedeutet“ – zusammenfassend nichts Gutes, zwar wuchs die türkische Wirtschaft um 7% in Q3/21 (hier), aber eine Inflationsrate von 36% im November 2021 (hier) dürfte die Krise eher noch verschärfen.

MPS: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Verkauf-von-Monte-dei-Paschi-ist-gescheitert-article22885046.html

https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/banken/italien-gespraeche-ueber-verkauf-der-bank-monte-dei-paschi-an-unicredit-gescheitert/27732836.html

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/monte-dei-paschi-aelteste-bank-der-welt-vor-ungewisser-zukunft-17599927.html

Die gute alte Monte dei Paschi (s. dazu bei mir hier)… Das wird in diesem Leben nichts mehr.

Fazit: Liest man die obigen Meldungen im Zusammenhang, dann klingt die Befürchtung des Deutsche Bank Tech-Chefs, Bernd Leuckert,  dass die europäischen Banken „untergehen“ könnten (hier), nicht mehr ganz so fernliegend. Die Frage ist aber, ob das tatsächlich am nicht harmonisierten Banken-System der EU liegt oder nicht vielleicht doch an anderen Effekten. Dabei wird man auch berücksichtigen müssen, dass die europäischen Banken es auf Grund der Null-Zins-Politik durchaus schwerer haben, im Vergleich gerade mit den US-Konkurrenten profitabel zu bleiben. Aber die personalpolitischen Entscheidungen der Banken dürften dabei auch eine Rolle spielen.

Festzuhalten bleibt, dass mehr als ein Jahrzehnt nach dem Ende der letzten Finanzkrise die europäischen Banken alles, aber nicht krisenfest aufgestellt sind. Sprich, zumindest die europäischen Banken dürften bei der nächsten Wirtschaftskrise eher Zunder denn Brandmauer sein. Beruhigende Aussichten – zumal es in der Türkei schon ordentlich zur Sache geht. Und die anziehende Inflation (hier). wird die Situation im Zweifel nicht verbessern.

Spruch des Tages: „Banken sind gefährlicher als stehende Armeen.“ – Thomas Jefferson

Keep calm and carry on!

-tz 

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