Morning Briefing – 1. Dezember 2020 – Deutsche Industrie Special

Guten Morgen,

Kurz nachdem ausgerechnet Herr Middelhoff vor dem Ausverkauf deutscher Unternehmen gewarnt hat (hier), passiert genau das – ein deutsches Hightech-Unternehmen wird nach Taiwan veräußert (hier). Wir dürfen gespannt sein, wann die in schöne PR-Hülsen gekleidete Meldung kommt, dass die Produktion nach Taiwan verlegt und das Münchner Werk „leider“ geschlossen wird.

Aber das ist gar nichts gegen die Selbstzerlegung, die die deutsche „old economy“ gerade durchläuft:

Bayerhttps://www.welt.de/wirtschaft/plus220493194/Bayer-in-der-Krise-der-naechste-Sturz-einer-deutschen-Legende.html

Der Kauf von Monsanto war nur einer von vielen Stolpersteinen, über die Bayer so vor sich hinstolpert, wie die eigene Werkself….

Thyssen-Krupp: https://www.manager-magazin.de/unternehmen/industrie/der-traum-einer-deutschen-stahl-ag-a-35961033-71e9-4815-ac26-11bd64ae166b

https://www.deraktionaer.de/artikel/aktien/thyssenkrupp-salzgitter-fusion-staatseinstieg-oder-liberty-deal-das-sagt-die-politik-20221459.html

Nach der „Deutschen Kaufhaus AG“ nun also die „Deutsche Stahl AG“. Und möglichst noch in „Gesellschaft in Verantwortungseigentum“ (s. dazu schon hier)? Hach, Herr Altmaier wird sich über diese „nationalen Champions“ (hier) mit Sicherheit freuen. Sorry, ich bin wahrscheinlich einfach nur ein alter weißer Mann, der die Zeichen der Modernität übersieht. Aber für mich ist das ähnlich schwachsinnig, wie weiland Herr Merzens (und Frau Merkels!) Idee von der „True-Sale-Initiative“ (hier). Das war ja kurz vor der Finanzkrise auch so richtig „modern“….

Daimler: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/daimler-und-geely-geheimprojekt-horus-chinesen-bauen-kuenftig-im-grossen-stil-mercedes-motoren/26631082.html

https://www.nzz.ch/mobilitaet/auto-mobil/daimler-und-geely-entwickeln-gemeinsam-hybridantriebe-ld.1588267

Nachdem er erst mal den Deutschen Zetsche in einem echt nicht schlechten PR-Stunt aus dem Aufsichtsrat von Daimler rausgehalten hat (hier), gibt Herr Källenius die Motorenfertigung an seinen Großaktionär Geely aus China – und in Sturgard fallen 4.000  Arbeitsplätze weg. Der Betriebsrat mag ja „fassungslos“ sein – aber ändern wird das nix mehr.

Fazit: Was soll ich jetzt hier schreiben? Den Niedergang beklagen? Die Frage stellen, ob es noch etwas zwischen dem „Ausverkauf“ und der „Anbiederung“ an China oder irgendwelchen Fantastereien über „Deutschland AGs“, die nichts anderes sind, als zwei Krüppel, die zusammen plötzlich Usain Bolt schlagen sollen, gibt? Auf jeden Fall weiß man nach diesen Meldungen, warum die Aussichten für die deutsche Wirtschaft auch nach Corona nicht so richtig blendend sind (s. dazu gestern hier).

Historisch: 1913: Die Ford Motor Company führt das Fließband in die industrielle Produktion ein (Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/1._Dezember)

Keep calm and carry on!

-tz 

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