Morning Briefing – 8. April 2020 – Europa-Special

Die „Financialisation“ läuft wieder – wie geschmiert: Nachdem gestern auch die japanische Regierung eine Verdoppelung der Hilfspakete in Aussicht gestellt hatte (hier), gab es für die Aktienindizes kein Halten mehr (s. hier zum DAX). Dabei geht die Nachricht völlig unter, dass Argentinien gerade erneut mit Zahlungen ausgefallen – mithin pleite ist (hier). Und Argentinien wird nicht das einzige Land bleiben, dass in der Corona-Krise (endgültig) in die Staatspleite rutschen wird. Die bange Frage ist natürlich, ob die Dauerkrise-Kandidaten in der Eurozone – Griechenland, Italien, Spanien und Frankreich – sich in die Richtung von Argentinien bewegen oder (erneut) durch die EZB und die Euro-Mitgliedsstaaten gerettet werden müssen.

Dazu heute mal ein kleines Special:

Eurobonds: https://www.zerohedge.com/geopolitical/eurobonds-or-bust-thats-next-phase-eu

https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-die-eu-sollte-bei-den-euro-bonds-ehrlich-sein-denn-sie-ruecken-schrittweise-naeher/25693954.html

https://www.wiwo.de/my/politik/europa/anleihe-kaufprogramm-die-ezb-wird-zum-eurobond/25691640.html?ticket=ST-2087895-rribW2FpoUkaq4pPheBL-ap5

No-Bail-Out-Klausel der Europäischen Union und der Eurozone verletzenden Rechtsakten – in einer steten Abwandlung seiner „Solange“-Rechtsprechung entscheiden, dass die Eurobonds konform mit deutschem Recht sind.

EZB: https://www.zerohedge.com/markets/unprecedented-move-ease-conditions-ecb-cuts-collateral-haircuts-20-will-accept-greek-debt

Lange Jahre wurde über die ach so bösen und unfähigen US-Ratingagenturen geschimpft, die Schuldner schlechter Bonität zu gute Noten ausstellten. Die Abschaffung der Ratingagenturen wurde oft gefordert, und kommt nun durch die Hintertür. Doch ganz anders, als es sich die Kritiker dachten. Denn seit heute akzeptiert die EZB auch Junkbonds, Schrottanleihen, als Kreditsicherheit. Gemeint sind griechische Staatspapiere. Damit sind Ratings in der Tat nutzlos geworden. Es ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit, bis Banken bei der EZB alles mögliche verpfänden dürfen, um an Geld zu kommen.“

Wie schon vor zwei Jahren vorhergesagt (hier), wird die EZB demnächst „rostige Fahrräder“ als Sicherheit für weitere Staatskredite akzeptieren. Die „Monetarisierung von Staatschulden“ ist in vollem Gang!

Europäische Union: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eu-finanzminister-vertagen-verhandlungen-ueber-corona-hilfspaket-16716746.html

https://www.handelsblatt.com/politik/international/coronakrise-italien-und-die-niederlande-blockieren-eu-hilfspaket-fuer-die-wirtschaft/25725760.html

Aus der FAZ: „Es [geht] um ein „Sicherheitsnetz“ im Umfang von rund 500 Milliarden Euro mit drei Elementen, um die Folgen der schweren Wirtschaftskrise in Folge der Pandemie gemeinsam zu bewältigen: vorsorgliche Kreditlinien des Eurorettungsschirms ESM, die besonders betroffenen Staaten zugute kommen könnten; ein Garantiefonds für Unternehmenskredite der Europäischen Investitionsbank EIB; und das von der EU-Kommission vorgeschlagene Kurzarbeiter-Programm namens „Sure“.“

Fazit: Nicht nur Deutschland schmeißt das Geld raus, als gäbe es kein Morgen, nein, die verschiedenen Institutionen der EU versuchen gerade, das noch zu toppen – und noch mehr Geld in den Markt zu schmeißen. Aber den Südländern genügt das nicht – sie wollen Eurobonds. Es stellt sich schon die Frage, warum angesichts der derzeit noch nicht mal absehbaren Folgen der Corona-Krise nun jetzt schon alle Dämme brechen? Bloß weil jeder, wie etwa Herr Söder (hier) pausenlos fordert? Oder geht es – um mal bei den Worten zweier führender Europäer zu bleiben – vielleicht um mehr? Ganz im Sinne von Winston C. („never let a good crisis go waste“) hat Herr Juncker nämlich schon vor Jahren gesagt:  “When it becomes serious you have to lie.” Und Herr Schäuble outete sich in einem Interview in der NYT im November 2011 in eine ähnliche Richtung: „Wir können eine politische Union nur erreichen, wenn wir eine Krise haben.“ Ich denke, wir werden – spätestens, wenn eine zweite Welle des Virus uns in den Lockdown zwingt oder eine weitere Krise zu Corona tritt (Blackout, Cyber-Attacke o.ä.) – Eurobonds sehen – neben dann noch wahnwitzigeren Hilfspaketen. Und irgendwann, wenn ihm die Steuern erhöht und die Rente oder Sozzialleistung gekürzt wird, wird sich der Bürger verwundert die Frage stellen, wie das denn passieren konnte. Aber dann sollte er nicht jammern – er hat ja die Politiker gewählt, die das alles durchgesetzt haben. Und zwar immer wieder….

Historisch: 2002: Der Medienkonzern Kirch-Gruppe des Unternehmers Leo Kirch muss wegen Verbindlichkeiten in Höhe von über 7 Milliarden Euro den Insolvenzantrag stellen (Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/8._April)

Keep calm & carry on.

-tz 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.