Morning Briefing – 18. März 2020 – Fehler // Lösung? // Blasenbildung

Guten Morgen,

„Niemand hat die Absicht eine Ausgangssperre zu verhängen“ (hier). Ich gebe der (restlichen) Bewegungsfreiheit in Deutschland gleichwohl nur noch 48, höchstens aber 72 Stunden – dann werden die Politiker sich wieder einem – imaginären – Druck irgendwelcher Pressehäuser beugen (s. nur hier) und angesichts des (natürlich völlig unvorhersehbaren) Anstiegs der Fallzahlen (kommt davon wenn man Exponentialismus nicht versteht, s. hier oder auch die „Logik des Misslingens“ nicht kennt) eine allgemeine Ausgangssperre als „alternativlos“ verkünden (natürlich nur, weil die Bürger so unvernünftig sind).

Wieso? Ganz einfach: Stand heute (18. März 2020, 12:16) gibt es 9.919 Infizierte / 26 Tote (beim RKI sind es etwas weniger, vor allen Dingen „nur“ 12 Tote (?), hier). Wenn jetzt das RKI und andere richtig liegen (hier), dann steigen die Werte jetzt exponentiell (Schaut man sich die Zahlen von Montag an, tun sie das aber derzeit noch nicht (5.813 Infizierte / 13 Tote, hier)) an. Vereinfacht geht z.B. „Ourworldindata“ (scrollen!) derzeit von einer Verdoppelung der Fallzahlen in Deutschland alle drei Tage aus. Das würde bedeuten, dass wir bis Freitag / Samstag die Schwelle von 20.000 Infizierten – am Samstag darauf aber schon die Schwelle von 80.000 Infizierten durchbrechen werden. Angesichts dieser Zahlen dürften weder die „wohlmeinenden“ Journalisten noch die Politiker akzeptieren, dass die Wirkung der seit Montag umgesetzten Maßnahmen erst nach 14 Tagen abgeschätzt werden können (worauf das RKI aber hinweist, hier). Denn in diesem Zeitraum sprechen wir dann von einem Anstieg auf 320.000+ Infizierte. Weit vorher wird „dichtgemacht“ werden – und wenn die Zahlen gleichwohl steigen (was sie werden), dann wird man eben noch drastischere Maßnahmen ergreifen. Wenn die Zahlen aber sinken, dann liegt das natürlich an den drastischen Maßnahmen – die dann natürlich nicht gelockert werden dürfen. Problematisch wird es nur, wenn die Zahlen jetzt nicht in dem Maße steigen, wie der Exponentialismus nahe legt. Derzeit sieht es danach nämlich – aus welchen Gründen auch immer – nicht aus. Warten wir es ab…

Und auch in wirtschaftlicher Hinsicht werden die gleichen Fehler wiederholt, die uns in dieses Desaster gebracht haben, wie die nachfolgenden Links hoffentlich veranschaulichen….

Fehler: https://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/coronavirus-wie-es-zum-crash-kommen-konnte-a-1305332.html

Kapitalismus ohne Pleiten ist wie Fußball ohne Tore. Heute reicht bereits eine unsinnige Idee – meistens irgendetwas mit Nachhaltigkeit oder Digitalisierung -, um Millionen- oder gar Milliardenbewertungen zu rechtfertigen. Es ist, als hätten wir die Dotcom-Blase nach der Jahrtausendwende vergessen. Der Nachweis eines zumindest perspektivisch rentablen Geschäftsmodells wird nicht mehr benötigt. Glücksritter verdrängen Unternehmer, Risikokapitalgeber ersetzen Kreditentscheider und vernichten so in großem Stil Geld – nicht ihr eigenes, natürlich, das Risikokapital kommt ja von anderen Investoren.

Aktienrückkäufe: https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-die-spaete-rache-der-aktienrueckkaeufe/25651260.html

https://www.zerohedge.com/markets/boeing-which-repurchased-over-100bn-stock-downgraded-bbb-seeks-short-term-bailout

Muss ich heute mal als Unterpunkt bringen. Ich warne seit Jahren vor den Folgen dieser euphemistisch als „Aktienrückkaufprogramme“ titulierten Vermögensverschiebung von unten nach oben (s. hier). Und jetzt werden wir z.B. an Boeing erleben, wie es ist, wenn erst die Gewinne privatisiert wurden und jetzt die Verluste sozialisiert.

Lösung? https://www.welt.de/wirtschaft/article206566537/Finanzsystem-Die-Corona-Krise-legt-die-Versaeumnisse-der-letzten-Jahre-rigoros-offen.html

Nun fordern beispielsweise die Banken, die Erhöhung des Eigenkapitalpuffers auszusetzen. Bevor eine solche Hilfe gewährt wird, sollte sichergestellt werden, dass sie wirklich dem Zweck dient: der Stärkung des Eigenkapitals. Die zusätzliche Flexibilität sollte nicht genutzt werden dürfen, um Boni weiterzuzahlen oder Gewinne auszuschütten. Auf freundliche Zusagen sollte man sich nicht verlassen: Während Bankvorstände nach 2008 die Rückkehr zum „ehrbaren Kaufmann“ versprachen, wirkten ihre Institute gleichzeitig am größten Steuerraub am Finanzmarkt mit, den kriminellen Cum-Ex-Geschäften.

Ach, wie war das noch bei der Deutschen Bank? Ach stimmt, die EZB hat ja dem Vorstand der Deutschen Bank noch den Rücken für die Bonuszahlung gestärkt (hier) – Mitte Februar (2020) wohlgemerkt. Aber da konnte man ja die Wirkungen von Corona auf die Banken noch nicht abschätzen. Oder doch? Und, wenn die Bank jetzt gerettet werden muss, dann muss natürlich niemand einen Bonus zurückzahlen…..

Blasenbildung: https://themarket.ch/fokus/warum-das-coronavirus-eine-blasenbildung-beguenstigt-ld.1699?reduced=true

Die (erneut beispiellosen) monetären und fiskalischen Maßnahmen setzen ja genau da an, wo auch zu Beginn der Finanzkrise angesetzt wurde. Und natürlich werden diese Maßnahmen dieselbe Wirkung haben, wie damals. Nämlich zu einer Inflationierung bestimmter Asset-Klassen führen – eine Blasenbildung.

Fazit: Seit Jahren wurden Cassandras wie ich immer müde belächelt. Wenn ich für jedes Mal, als mich jemand während der Boomjahre (mehr oder minder süffisant) darauf hinwies, dass ja trotz meiner Ankündigungen „die Welt noch immer nicht untergegangen sei“ oder ähnliche netten Rationalisierungen wählte, warum es jetzt gerade nicht Zeit sei, die monetären Maßnahmen der Zentralbanken runterzufahren oder mal in etwas anderes, als die Rente zu investieren, einen Euro bekommen hätte, würde ich jetzt wahrscheinlich auf den Bahamas festsitzen.

Aber, keine Bange, die Phase der Genugtuung habe ich schon wieder hinter mir – denn die handelnden Personen werden genau so weiter machen, wie bisher. Sie beweisen es gerade. Milliarden werden in „Märkte“ gepumpt – mit der Behauptung, sonst gäbe es kein Morgen. Das dass aber an der kognitiven Verzerrung liegen könnte, denen die Notenbanker und Politiker aufsitzen, weil sie nur mit den „Cry-Babies“ der Wall-Street (Original-Ton Wolfstreet) oder ähnlichen Finanzzentren zusammen hocken, scheint Ihnen nicht zu dämmern. Und demnächst höre ich dann wieder nur ein „alternativlos“….

Historisch: 1968: In den USA wird vom US-Kongress per Gesetz die interne Golddeckung der amerikanischen Währung aufgehoben. US-Präsident Lyndon B. Johnson unterschreibt das Gesetz (Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/18._M%C3%A4rz)

Keep calm & carry on.

-tz 

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