Morning Briefing 6. November 2020 – Audit-Special

Guten Morgen,

Das habe ich in meinen Leben auch noch nicht erlebt: Tag 3 nach den Wahlen bricht an – und es gibt immer noch keinen Sieger im Rennen um die US-Präsidentschaft (hier). Aber die Amis verlieren trotzdem nicht ihren Humor (hier). Ich glaube, Wahlleiter von Pennsylvania oder Nevada möchte ich gerade nicht sein….

Schaut man sich die großen Wirtschaftsskandale der Neuzeit an (s. nur in meinen regelmäßigen „Wirtschaftskriminalitäts-Specials“, hier), dann fallen die Wirtschaftsprüfer dieser „Unternehmen“ zumeist nicht durch immense Aufklärungsleistungen auf. Und immer wieder kommt der Ruf nach allen möglichen Regulierungen dieser Branche auf – um eben solche Skandale zu verhindern. Aber die Lobby der WPs hat bisher noch jede wirkliche Veränderung verhindert (und ich lach mich immer wieder tot drüber, s. zuletzt hier). Heute aber mal – nach einem weiteren Erklärungsversuch von Zerohedge, warum die WPs einen Skandal noch nicht mal sehen, wenn er vor ihnen steht – ein weiteres nettes Beispiel, wie die WP’s sich in Deutschland aus der Verantwortung ziehen:

Audit: https://www.zerohedge.com/economics/why-ernst-and-young-auditor-so-many-companies-have-recently-imploded

SanInsFoG: https://draftable.com/compare/UwqvhbEribFU

Vergleicht man den (älteren) Referentenentwurf des „SanInsFoG“ mit dem (neueren) Entwurf der Bundesregierung, dann fällt auf, dass im Regierungsentwurf der vorherige Art. 21, „Änderung der Wirtschaftsprüferordnung“ fehlt (s. S. 7, 90). Nach der darin enthaltenen Regelung sollten WP’s dazu verpflichtet werden, im Rahmen der Jahresabschlussprüfung a) zu prüfen, ob Gründe vorliegen, die gegen eine Fortführung des Unternehmens sprechen und b) der Geschäftsleitung diese Gründe auch mitzuteilen.

Das Nichtbeachten dieser Pflicht wäre natürlich für die WPs haftungsträchtig geworden. Also, dann mal weg damit.

Planungspflicht: https://www.idw.de/blob/126868/c8a8e59cb66e4db58fcdd6818ebbd8aa/down-presseinfo-2020-12-planungspflicht-data.pdf

Im selben Zuge – sprich auch in der Diskussion über die Einführung des „SanInsFoG“ machen sich die WPs für eine Pflicht zur Unternehmensplanung stark. Nicht, dass ich eine solche Pflicht nicht grundsätzlich begrüßen würde – aber ich kann mir zum einen schon der vorstellen, welcher kostenträchtige und völlig überkomplexe IDW-Standard dann dabei rausspringt. Zum anderen ist es schon dreist, sich selber gerade erst aus der Verantwortung gestohlen zu haben (Frau Merkel wird wohl nicht von sich aus auf die Idee gekommen sein, den Art. 21 im SanInsFoG zu streichen) und dann den Unternehmern gleich noch neue Pflichten aufzuladen.

Fazit: Ich könnte jetzt hier was über  „Der Krug geht so lange zum Munde, bis dass er bricht“ oder „Hochmut kommt vor dem Fall“ seiern. Ist mir aber zu blöd – und im schlimmsten Fall bekomme ich noch ne Abmahnung. Und mit allgemeinen Äußerungen würde ich auch den „kleinen“ der Branche Unrecht tun, als Anwalt sollte ich vielleicht auch nicht so richtig mit Steinen schmeißen, wegen Glashaus und so. Aber die „kleinen“ können auch nicht das Lobbying betreiben, dass die „Big Four“ betreiben. Und man stelle sich mal vor, bei Anwälten würde es zu einer ähnlichen Konzentration kommen….

Ok, machen wir mal lieber Wochenende – vielleicht wissen wir ja Montag, wer nächster US-Präsident wird….

Historisch: 1860: Aufgrund der Spaltung der Demokraten wegen der Sklavenfrage gewinnt der Republikaner Abraham Lincoln die US-Präsidentschaftswahlen und wird der 16. Präsident der Vereinigten Staaten (Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/4._November) – auch interessant dazu: https://www.spiegel.de/geschichte/central-america-untergang-das-versunkene-gold-das-den-lauf-der-welt-veraenderte-a-00000000-0002-0001-0000-000173049368

Keep calm and carry on!

-tz 

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