Morning Briefing – 11. Februar 2022 – Long Read – „Flickschusterei“ in Entscheidungsprozessen…

Guten Morgen,

so, es ist Freitach, also mal wieder Zeit für einen „Long Read“ (s. zuletzt hier). Und wie damals, so geht es auch heute um das „New Normal“, dass uns erwartet:

Endemie: https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/coronavirus-angekommen-in-der-inneren-endemie-kolumne-a-9adaca52-b684-4fdd-a8ab-3e3f2163cb67

https://www.focus.de/politik/deutschland/die-halbwahrheiten-um-das-rki-haben-lauterbach-in-eine-schwierige-lage-manoevriert_id_51401590.html

So langsam kommt bei mir vorsichtiger Optimismus auf, dass die Corona-Pandemie auch in Deutschland dem Ende zugeht. Schon alleine, dass sich MSM-Autoren so äußern, wie die Herren Lobo und Steingart oben, lässt vermuten, dass sich gerade hinter den Kulissen der Wind dreht. Zumindest bis zum Herbst.

Kludgeocracy: https://www.nationalaffairs.com/publications/detail/kludgeocracy-in-america

Ein wirklich langer Artikel, den ich mir bei der Erstellung der Jahresprognose auch „reingezogen“ habe. Ich sehe die im Artikel beschriebene „Flickschusterei“ (=“Kludge“) aber längst nicht mehr als reines „Zufallsprodukt“, sondern als Teil eines derzeitigen Refeudalisierungsprozesses (s. dazu hier). Ich weiß, damit rudere ich schon arg weit ins Gewässer der Verschwörungstheorien….

Decision-Making: https://tnsr.org/2019/09/to-regain-policy-competence-the-software-of-american-public-problem-solving/

Ein ebenfalls sehr langer Artikel, der die „Entprofessionalisierung“ in US-amerikanischen politischen Entscheidungsprozessen nachzeichnet. Die Ansicht des Artikels lässt sich in meinen Augen auch sehr gut auf die deutsche Politik übertragen. Die Entscheidungsprozesse in den Bereichen, in denen ich politische Entscheidungen in die Praxis umsetze, verlaufen nach meiner Erfahrung ähnlich unstrukturiert und beeinflusst von Tagesaktualität und Lobby-Gruppen. Weitergehend interessant ist in diesem Zusammenhang der Verweis auf den Film „The Post“ (dt: „Die Verlegerin“, hier), in dem es um die sog. „Pentagon Papers“ geht, mit denen der Vietnamkrieg begründet wurde. Die Detailliertheit der damaligen Analyse des Pentagons ist nach Ansicht des Autors wohl nicht mehr vergleichbar mit der Analysetiefe, die heutigen politischen Entscheidungsprozessen zu Grunde liegt.

Fazit: Die vorangestellte Leseliste erscheint mir als gute Ergänzung zum letzten Long read (erneut hier). Politische Entscheidungen ergehen immer schneller und – wie man an den Entwicklungen bei Corona sieht – häufig nicht mehr auf Grund rationaler Erwägungen oder gar längerer analytischer Entscheidungsprozesse. Diese Flickschusterei an Entscheidungen führt dann zu einer (nicht mehr beherrschbaren) Komplexität, die erneute (sofortige) Handlungen aus Sicht der Politiker erforderlich erscheinen lassen. Und schon hat man seine eigene Unersetzbarkeit wieder unter Beweis gestellt (Herr Lauterbach). Und irgendwann ist jeder Mensch, der auch noch etwas anderes leisten muss, als die explodierende Nachrichtenlage mitzuplotten, kognitiv so am Limit, dass er – Risiko hin oder Pandemie her – sein bisheriges Leben weiterlebt (s. Sascha Lobo). Und irgendwann hat man dann auch schlicht keinen Bock mehr auf „Analyse“ – und geht in die nächste Situation mit genau dem gleichen flickschusterischen Ansatz, der vorher schon mehr Probleme als Lösungen brachte. Die Preisfrage: wie kommen wir da wieder raus? Nicht nur in der Pandemie, sondern auch für alle anderen Themen?

Spruch des Tages: „Prepare for the unknown by studying how others in the past have coped with the unforeseeable and the unpredictable.” – George S. Patton

Keep calm and carry on!

-tz 

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