Morning Briefing – 27. August 2021 – Selbstständigkeit – Kern der Mittelschicht

Guten Morgen,

So, heute ist Freitag, also Long-Read-Tach, heute mit gar nicht so viel Lesestoff, dafür aber genügend zu Nachdenken, diesmal über die (berufliche) Selbstständigkeit:

Mittelschicht: https://legonomics.de/2019/08/06/morning-briefing-6-august-2019-mittelstand-iwf-mittelschicht/

Zur Einleitung mal ein wirklich gut gealterter Post von mir aus 2019, indem ich mich mit Mittelstand und Mittelschicht und dem Unterschied zwischen beiden auseinandersetze, bevor ich mich mit der Erosion dieses Bevölkerungsanteils auseinandersetze. Um es mal für diesen Post auf den Punkt zu bringen: Ein Selbstständiger gehört zum Mittelstand, vielleicht (wenn er genug Geld verdient) auch zur Mittelschicht, die Eigner von Miele gehören weder zum Mittelstand noch zur Mittelschicht und der Beamte oder sonstige Angestellte gehört vielleicht zur Mittelschicht, aber nie zum Mittelstand.

Warum ist das wichtig? Schauen Sie sich doch einfach mal ein paar Förderprogramme an – an wen sind die denn unter welchem „Label“ gerichtet? Fördern die wirklich Selbständigkeit – also den MittelSTAND?

Gründer: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/neustart-nach-corona-verdammt-wo-sind-die-firmengruender-hin-kolumne-a-0ece4f59-5371-4f08-9775-efee7e1c74af

https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2018/naehe-und-distanz/gruendung-warum-starten-gruender-eigentlich-am-liebsten-mit-guten-freunden

Alle sprechen von Musk, Bezos oder Jobs – denn die Zeiten von Daimler, Borsig oder Siemens sind lange her. Gründer wachsen eben nicht auf Bäumen. Wenn man nicht ein Unternehmen kauft (Unternehmensnachfolge), dann ist die Gründung eines Unternehmens, und sei es auch nur die einer Döner-Bude, der Beginn des „Sich-Selbstständig-Machens“. Auch Richard Branson hat mal klein angefangen (s. hier zu seiner sehr empehlenswerten Biographie).

Ausbildung: https://www.iwd.de/artikel/interview-die-berufliche-bildung-steht-unter-druck-509743/

https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2021/kassensturz/hand-ueber-kopf

Nicht nur David Goodhart (s. auch hier) findet, dass akademische Jobs überbewertet sind, bereits 2014 hatte ich hier auf das wachsende „Akademikerprekariat“ hingewiesen. Und gerade viele Akademiker wollen ja scheinbar auch lieber in die staatliche Hängematte, als einen stressigen Job – oder gar Selbstständigkeit (hier).

Hindernisse: https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2021/frei-arbeiten/zwei-millionen-sonderfaelle

Selbständige passen nicht ins System….

Fazit: Kennen Sie die Böckenförde-Doktrin über den Rechtsstaat? Kann man auch auf Selbstständige als Synonym des Mittelstandes und Kern der Mittelschicht abwandeln: „Der Sozialstaat lebt von Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst tunlichst garantieren sollte.“ Denn Deutschland lebt bislang noch von seinen wirtschaftlichen Erfolgen – und die hat nie der Staat hervorgebracht, sondern bestenfalls die Rahmenbedingungen dafür geschaffen. Wer das nicht glaubt, dem empfehle ich einmal Ludwig Erhard, „Wohlstand für alle!“ (gibt’s noch in Antiquariaten, z.B. hier) und zum anderen Adam Tooze, „Ökonomie der Zerstörung“, über die Wirtschaft der Nazi-Zeit.

Es ist also höchste Zeit, die Selbstständigkeit zu fördern – auch um die Erosion bei Mittelschicht und Mittelstand umzukehren und Deutschlands Erfolgsmodell fortzuschreiben. Dazu gehört die Frage, ob wir unsere Jugend richtig ausbilden, eher als die Diskussion, ob auch Selbstständige in Sozialsysteme einzahlen sollten (ja, sollten Sie in meinen Augen, aber das ist ein anderer Post). Denn verbeamtete Akademiker haben wir genug. 

Spruch des Tages: „Ich denke, dass der Unterschied zwischen erfolgreichen und nicht erfolglosen Unternehmern zu 50 % in Ausdauer und Beharrlichkeit zu finden ist.“ – Steve Jobs

Keep calm and carry on!

-tz 

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