…und wieder keine Apokalypse…

„Both optmists and pessimists contribute to society.
The optimist invents the aeroplane,
the pessimist the parachute“
George Bernard Shaw

Frau Yellen hat die Zinsen gestern nicht erhöht – die Apokalypse ist also vertagt. Vielmehr scheinen die Notenbanken jetzt sogar in eine Art „geldmarktpolitische Planwirtschaft“ abzudriften – wenn man sich anschaut, wie die BoJ versucht, die „Zinskurve zu kontrollieren“. 

Gleichwohl glaube ich, dass wir in den letzten zwei Wochen einen Tipping-Point überschritten haben (ja, ja, ich weiß, hatte ich schon mehrfach so gesehen…). In den letzten zwei Wochen ist nämlich klar geworden,  dass die Mega-Blase (nicht nur am Anleihe-Markt) platzen wird, sollte sich am Markt die Einsicht breit machen , dass die lockere Geldpolitik nicht noch „lockerer“ wird. Einen Vorgeschmack darauf lieferte am Freitag vorletzter Woche die überraschende Meldung über die plötzliche positive Rendite von Bundesanleihen bei gleichzeitigem Absturz der Börsenkurse  (9. September 2016). Grund für diesen plötzlichen Umschwung war zunächst die abwartende Haltung der EZB in Bezug auf weitere Stimulierungs-Programme sowie die Äußerungen des Fed-Board Mitgliedes Rosenberg, wonach die US-Wirtschaft zu überhitzen drohe.

Zuvor hatte Frank Stocker in der Welt bereits vor der „plötzlichen Rückkehr einer deutschen Urangst“ gewarnt. Stocker unterstellt in seinem Szenario allerdings ein Anziehen oder zumindest eine Seitwärtsbewegung des Ölpreises. Die International Energy Agency (IEA) sieht das aber ganz anders und geht von einem weiterhin niedrigen Ölpreis aus. Sollte der Ölpreis allerdings signifikant steigen, dürfte dies zu einem Anziehen der Inflation und damit zu dem von Frank Stocker dargestellten Szenario führen – ohne dass die Zentralbanken die Zinsen erhöhen „wollten“.

Aber auch die vielbeschworenen „Fundamentals“ in den entscheidenden Weltregionen, wie z. B. in den USA,  könnten selbst ohne eine explizite Zinserhöhung der Zentralbanken die effektive Verzinsung verschlechtern, sprich erhöhen. So warnt die Deutsche Bank davor, dass „die US-Wirtschaft praktisch bereits in einer Rezession sei.“ Dementsprechend geht der bekannte Fondsmanager El-Erian davon aus, dass die oben beschriebene Marktbewegung am Freitag, den 9. September 2016 vielleicht schon eine andere Qualität besessen habe (“This Market Selloff May Be Different”).

Schließlich könnte eine in Europa aufflammende Bankenkrise die bisherige Politik der EZB ins Leere laufen lassen. Angesichts der Forderungen des US-Justizministeriums gegen die Deutsche Bank auf eine Strafzahlung von USD 14 Mrd. scheint die Politik endlich zu begreifen, dass die Situation der Deutschen Bank alles andere als stabil ist. Aber auch die Situation der italienischen Banken hat sich – trotz einiger halbherziger Rettungsversuche seit Anfang des Jahres – nicht gebessert. Im Gegenteil, Italien gilt jetzt als wahrscheinlichste Bruchstelle der ganzen Euro-Zone, wenn nicht der Europäischen Union. Sollte eine dieser (oder auch eine spanische Bank) „fallen“, dann dürften Anleihen mit „negativer Rendite“ schlagartig der Vergangenheit angehören.

Alles in allem werde ich immer pessimistischer, was die Stabilität des globalen Finanzsystems angeht – insbesondere da die von den Zentralbanken gekaufte Zeit nicht zu Reformen genutzt wird. Dadurch wird sich nur die Fallhöhe bei einer kommenden Rezession erhöhen.