Morning Briefing – 5. Mai 2020 – Massentests // Beatmungsgeräte // Kaffeefilter

Guten Morgen,

Eigentlich habe ich ja für heute mal wieder (und viel zu selten) einen positiven Post vorbereitet. Aber Herr Spahn macht mal wieder mit einer Aktion, für die er sowieso nachher wieder um Entschuldigung bitten darf (hier näheres dazu), einen Strich durch die Rechnung. Denn er versuchte – wohl eher heimlich (d. PM des BMG ist bei diesem Punkt nämlich eher dünn (hier)) – einen (elektronischen?) Immunitätsausweis in einem neuen § 22 Abs. 5 Infektionsschutzgesetz (IfSG) unterzubringen und diesen über § 23 Abs. 1 IfSG auch verpflichtend zu machen („Soweit von individualbezogenen Maßnahmen abgesehen werden soll oder Ausnahmen allgemein vorgesehen werden, hat die betroffene Person durch eine Impf- oder Immunitätsdokumentation nach §22 oder ein ärztliches Zeugnis nachzuweisen, dass sie die bestimmte übertragbare Krankheit nicht oder nicht mehr übertragen kann.“ (s. beim Gesetzentwurf hier, s. insgesamt hier)). Gerade auch im Zusammenhang mit der Einführung der so. Tracing App (s. näher dazu hier), die Google und Apple zu ungeahntem Machtzuwachs verhelfen dürfte, wenn sie so kommt wie vorgesehen, dürfte mit dem vorgesehenen elektronischen Immunitätsausweis die dystopische Vision von Herrn Häring (hier) näher kommen. Zwar wollen einige Politiker schon mal nicht mehr von Herrn Spahn gelobt werden (hier), aber die Presse geht in meinen Augen immer noch viel zu nett mit Herrn Spahn um, wenn sie ihn bei diesem erneuten groben Patzer lediglich als „forsch“ bezeichnet (hier). Schon angesichts der ständigen – verfassungsrechtlich mehr als fragwürdigen – Vorstöße des Herrn Ministers (s. zuletzt zur Tracing App erneut hier) müsste eigentlich längst die Frage nach der Haltbarkeit des Ministers gestellt werden. Der rudert jetzt – ertappt – erst mal zurück und twittert (!), dass „wir als Gesellschaft in Ruhe abwägen und debattieren“ sollten (hier). Na, dann warten wir mal auf den nächsten Patzer auf dem Weg ins Kanzleramt.

Kommen wir nun zu den seltenen guten Nachrichten in dieser Krise. Bei der Vorbereitung dieses Posts fiel mir zunächst auf, dass die Briten sich viel eher an positiven Vorbildern aufzurichten scheinen, als die Deutschen. Beispiel gefällig? Während in UK ein bis dato unbekannter 99-järiger ehemaliger Captain der Army mit einem Spendenlauf nicht nur mehrere Millionen Pfund für den  welken NHS sammelte, sondern auch die Herzen der Briten eroberte (hier) wurde der launige Spendenmarathon, äh – triathlon des großen Jan Frodeno nicht nur finanziell, sondern auch medial, wenig bedacht (hier). Beides sind Fälle von gutem Leadership – da könnten sich unsere Politiker ein ganze Wurst von abschneiden….

Massentests: https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/gesundheit-penzberg-roche-darf-coronavirus-antikoerpertest-vertreiben-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200504-99-926502

Eigentlich eine gute Nachricht – vor allen Dingen, weil dieselbe Regierung noch vor einer Woche von Massentests abgerückt war (hier), scheinbar, weil die in der letzten Woche gar nicht durchführbar erschienen. Jetzt aber konnten Herr Söder und Herr Spahn sich bei Roche mit fremden Federn schmücken und den Beginn von Massentests pressewirksam zelebrieren (hier). Damit könnte eine – bislang noch nicht erfüllte – Bedingung für die weitere Lockerung des Lockdowns  (s. dazu hier) schneller erfüllt werden, als die Politik selber zu hoffen wagte.

Beatmungsgeräte: https://www.welt.de/regionales/nrw/article207225205/Nemos-entwickelt-Beatmungsanlage-fuer-Massenanwendungen.html

https://www.motorsport-magazin.com/formel1/news-262259-formel-1-2020-coronavirus-covid19-hilfe-project-pitlane-mercedes-atemhilfe-beatmungsgeraet/

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Hersteller_von_Beatmungsger%C3%A4ten

Mit diesen – teilweise durch Formel 1 Teams! – produzierten zusätzlichen Kapazitäten dürften einige mehr Betten auch in Deutschland zu Intensivbetten aufzustocken sein. Eine weitere Bedingung zur Lockerung wird damit sukzessive durch die Privatwirtschaft erfüllt – mit scheinbar großem Improvisationstalent.

Kaffeefilter: https://amp-n–tv-de.cdn.ampproject.org/c/s/amp.n-tv.de/wirtschaft/Melitta-baut-Masken-in-Filtertueten-Form-article21706962.html

…als Atemmaske – na, da kann Herr Grupp sich ja auf Konkurrenz einstellen…

Fazit: Nicht nur Privatpersonen (wie Captain Moore und Herr Frodeno), nein auch Wirtschaftsunternehmen zeigen, dass man in der Krise einen sinnvollen Beitrag leisten kann – etwa indem man die fehlende Vorbereitung auf Pandemien durch die Politik(er) ausgleicht und mit Improvisation und Beharrlichkeit einen „Markt“ bedient. 

Historisch: 1893: Der „Industrial Black Friday“ in den USA löst erhebliche Kursverluste an der New York Stock Exchange aus, die besonders Eisenbahnaktien treffen. Die Wirtschaftskrise trifft in der Folge auch den Silbermarkt und entwickelt sich zur „Silber-Panik“ (Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/5._Mai)

Keep calm & carry on.

-tz 

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