Morning Briefing 22. April 2020 – Zukunft der Arbeit-Special

Guten Morgen,

So, nu geht dat los – endlich, möchte man meinen. Und die Kanzlerin selbst hat es mit ihrem (echt deutschen, btw) Wortungetüm  „Öffnungdiskussionsorgie“ angefacht. Die dringend notwendige Diskussion darüber nämlich, wie wir mit dem Virus umgehen. Während sich der Spiegel Anfang der Woche noch auf ihre Seite schlug („Wir brauchen viel härtere Maßnahmen„) platzten – anders als in der Finanzkrise, der Fukushima-Katastrophe oder der (ebenfalls „alternativlosen“) Euro-Rettung – nach dieser Äußerung der Mehrzahl der Journalisten endlich die Kragen ob der herrschaftlichen Allüren der Kanzlerin (gute Zusammenfassung der Kommentare ebenfalls beim Spiegel, hier). Und, um mal den ehemaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin zu zitieren, „Das ist gut so!“ Denn es sind ja tatsächlich Diskussionsorgien erforderlich, damit wir alle (!) einen kreativen Umgang mit dem Virus lernen. Und gerade wir Deutschen sollten wissen, dass  einsame Feldherrenentscheidungen sehr verhängnisvoll enden können. Deswegen bin ich auch gerade ziemlich begeistert vom Föderalismus (davon später mehr). Denn nach der Selbstentmachtung des Bundestages haben 16 Landes“fürsten“ die Rolle des demokratischen Widerparts übernommen. Das heißt nicht, dass ich die Entscheidungen von Frau Merkel für per se falsch halte, aber ich finde (und fand schon immer), dass der Weg dahin nicht sehr diskussionsfreudig war. Und jetzt ist hoffentlich dieses Tor der Diskussion endlich mal sperrangelweit offen. Lasst uns in Orgien schwelgen (mit Abstand, versteht sich!).

Während die Philosophen noch über die Welt nach Corona fabulieren (s. nur hier von Herrn Harari) – passiert diese schon, scheinbar ebenso im Zeitraffer, wie die Pandemie selber, wie das nachfolgende Special über die mögliche Zukunft der Arbeit zeigt:

Home Office: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/corona-in-usa-heimarbeit-ist-domaene-der-besserverdiener-16709952.html

https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/buero-co/corona-folge-fast-jeder-dritte-wuenscht-sich-home-office-fuer-immer-16735068.html

Die Krise hat (endlich) das Home Office sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer entzaubert: Die Mehrzahl der Arbeitgeber wird feststellen, dass die Mitarbeiter auch im Homeoffice nicht einfach „abschalten“ und es sich gemütlich machen. Viele Mitarbeiter lernen jetzt, dass es auch schön ist, „die Arbeit im Büro zu lassen“. Diese Entmystifizierung tut diesem Bereich gut. Und ja, angesichts der Arbeitsverhältnisse von Pflegekräften, Kassierern, Ärzten, Bauarbeitern oder ähnlichen nicht ganz so hip-digitalen Berufsgruppen sollte man ob der Belastungen im Home Office gleichwohl nur leise heulen

Ausbildung: https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/buero-co/weniger-ausbildung-zehntausende-finden-keine-lehrstelle-16725735.html

https://www.spiegel.de/wirtschaft/zahl-der-ausbildungsbetriebe-sinkt-auf-unter-zwanzig-prozent-a-90ea1603-6ef3-4c6d-b0fb-1c95aa0620ff

Oha, ich dachte der demographische Faktor würde das Thema endlich lösen. Aber, liebe tolle Unternehmer: Wenn ihr das nächste Mal über Fachkräftemangel jammert, dann fasst euch mal an die eigene Nase. Wer von euch bildet denn aus? Können ja nicht mehr allzu viele sein….

Roboter: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/automatisierung-boom-der-cobots-roboter-brauchen-keinen-abstand/25754124.html

Wohl wahr, Roboter interessieren eine Pandemie nicht – eher schon eine Cyberattacke. Aber eine Fertigungshalle, die in Deutschland steht, lässt sich allemal leichter überwachen, als eine, die in China steht. Die „Repatriierung“ von Fertigungen nach der Corona-Krise auch zur Verkürzung von Lieferketten dürfte wohl auch zu einem weiteren Boom der Roboterisierung führen – im Gleichklang mit der Digitalisierung.

Fazit: Prognosen sind ja schwierig, insbesondere, wenn sie die Zukunft betreffen. Aber Home Office und Videokonferenzen werden definitiv bleiben – schon weil die Kapazitäten jetzt vorhanden sind und die Menschen sich damit auskennen. Auch dürfte es eine Rückholung von Fertigungskapazitäten zumindest nach Europa geben. Aber, die De-Globalisierung und Rückholung von Fertigungen dürfte nicht zwangsläufig zu mehr Arbeitsplätzen im Inland führen. Aber die fehlende Ausbildung von jungen Leuten dürfte den bestehenden Fachkräftemangel noch verschärfen.  Insoweit dürfte hier Corona wieder nur als Brennglas fungieren.

Historisch: 1994: Mit der Festnahme von Arno Funke, der zuvor als anonymer Kaufhauserpresser Dagobert Schlagzeilen gemacht hat, endet einer der am längsten dauernden Erpressungsfälle in Deutschland (Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/22._April)

Keep calm and carry on!

-tz 

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