Stell dir vor, es ist der 31. Dezember 2017, 20:30 ….

By: bayasaa
By: bayasaa

… und folgende Ereignisse liegen in 2017 liegen hinter dir:

  1. Die Weltwirtschaft erholt sich gerade von einem ersten umfassenden Cyber-Angriff, der das Internet teilweise weltweit mehr als drei Tage lahmlegte. Amazon und andere Internet-Dienstleister werden durch staatliche Finanzspritzen vor dem Kollaps bewahrt,
  2. Auch nach der „Wiederstellung“ des Internets bleiben die baltischen Staaten Ziel von Cyber-Attacken, die scheinbar, zumindest wenn man den Protesten glauben darf, den in diesen Ländern lebenden Exil-Russen extrem zu schaffen machen,
  3. Die AfD hat bei den drei Landtagswahlen im Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen jeweils um die 15% der Stimmen auf sich vereinigt und kommt bei der Bundestagswahl auch auf mehr als 10%,
  4. Bundeskanzler Sigmar Gabriel hat gerade seine erste Neujahrsansprache beendet, in der er zur Besonnenheit angesichts des bevorstehenden Austritts der Niederländer aus der Europäischen Union aufrief,
  5. Nachdem Xi Jinping erst im Herbst seine Position als Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas verteidigen und festigen konnte, legt er das von der chinesischen Wirtschaft zu erreichende Wirtschaftswachstum mit nur noch 4,5% fest (die auch prompt erreicht werden) – dabei ist der Yuan auf das tiefste Niveau seit den 80er Jahren abgewertet worden, die Währungsreserven sind unter zwei Billionen USD gesunken und die Verschuldung Chinas hat die der USA fast erreicht,
  6. Die Fed hat wegen der – nach den Cyber-Angriffen prekären – Wirtschaftslage in den USA im Dezember den letzten Zinsschritt, bei dem sie den Nominalzins im Juni von 1,75%-2,00% auf 2,25%-2,5% angehoben hatte, revidiert. Gleichwohl halten nur statistische Tricks das Wirtschaftswachstum in den USA über der Null-Linie, nachdem die Wirtschaft im Zuge der fluchtartigen Amtsniederlegung von Donald Trump zunächst noch weiter eingebrochen war.
  7. Die von Donald Trump angeordneten Strafzölle auf in die USA importierten Waren treffen den deutschen Außenhandel. Nach einem Rückgang im Vorjahr um 2% gehen die Exporte aus Deutschland um weitere 4% zurück – mit negativen Folgen für das deutsche Wirtschaftswachstum,
  8. Anstelle eines vierten Rettungspaketes hat man Griechenland 50% seiner Schulden gestrichen – und die Rechnung über ca. Euro 35 Mrd. an die deutsche Regierung adressiert. Derweil laufen die Verhandlungen über eine Restrukturierung der Schulden Italiens. Die neugewählte italienische Regierung hatte ohne Absprache mit der EU oder EZB die faulen Kredite aller italienischen Banken übernommen und so die Banken „rekapitalisiert“. Spaniens Versuch, es dem italienischen Vorbild gleichzutun scheitert nur daran, dass die baskischen Abgeordneten geschlossen für Ihre Zustimmung zu dem entsprechenden Gesetz „Freiheit für das Baskenland“ fordern.
  9. Erdogan regiert, nachdem sein vorgeschlagenes Präsidialsystem in einer Volksabstimmung im Frühjahr gescheitert war, als Diktator und hat den Austritt der Türkei aus der Nato und ein neues Verteidigungsbündnis mit Russland verkündet, derweil hat die türkische Wirtschaft einen Einbruch über zehn Prozent bei einer Inflation von über 20% erlebt,
  10. Die Türkei hat ihre Grenzen für Flüchtlinge geöffnet, der Strom der Flüchtlinge wird aber durch Frontex und die Grenzschützer der südeuropäischen Länder abgewiesen. Erste große Lager werden in diesen Ländern errichtet. Die Kosten hierfür übernimmt – da sich die anderen europäischen Regierungen weigern – Deutschland.

….und dann kommt: „same procedure as last year”!?!

Warum?

Wie auch im Vorjahr, so will ich auch dieses Jahr einen Blick in die Glaskugel werfen und ein paar Prophezeiungen wagen. Dazu werte ich nachfolgend zunächst meine Treffgenauigkeit bei den Prophezeiungen für das Vorjahr aus. Danach werde ich etwas ausführlicher als im letzten Jahr Stellung zu meinen Vorhersagen zu nehmen:

Meine Prophezeihungen aus dem letzten Jahr (mit Bewertung):
  1. Die AfD hat bei den fünf (5!) Landtagswahlen in Rheinland Pfalz, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin jeweils über 10 % der Stimmen auf sich vereinigt (Volltreffer),
  2. Frau von der Leyen hat nach dem Rücktritt von Frau Merkel gerade ihre erste Neujahrsansprache als Bundeskanzlerin gehalten (Voll daneben),
  3. Großbritannien ist aus der EU ausgetreten (Volltreffer),
  4. In den USA wurde Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA gewählt (Volltreffer),
  5. China steckt in der ersten Rezession seit 50 Jahren (Teil-Treffer zur Tendenz: denn nicht-offizelle Schätzungen gehen davon aus, dass das chinesische Wirtschaftswachstum auf 3,9% in 2016 zurückgegangen ist).
  6. Die deutsche Wirtschaft ist um 0,5 % geschrumpft, die Arbeitslosenquote liegt bei knapp 8 % (Voll daneben),
  7. Der Bundestag hat im Dezember in einer Dringlichkeitssitzung die erste und zweite Lesung zum Verbot von Bargeld durchgeführt – der 500 Euro Schein wurde im Sommer 2016 abgeschafft (Teil-Treffer zur Tendenz: zumindest der 500 Euro-Schein ist schon abgeschafft, und in Indien gab es dieses Jahr die entsprechenden Experimente).
  8. Sie zahlen neben Gebühren auch Strafzinsen für alle Ihre Bankkonten (Teil-Treffer zur Tendenz: zumindest einige Banken geben die Strafzinsen der EZB schon weiter),
  9. Es sind – nach offiziellen Zahlen – rund 1,1 Mio. weitere Flüchtlinge im Laufe des Jahres 2016 nach Deutschland gelangt (ziemlich daneben; nach Schätzungen sind „nur“ 200.000 Asylsuchende nach Deutschland eingereist, allerdings gab es über 100.000 Asylanträge für den Familiennachzug),
  10. Medien und Politik erklären, dass man „das alles“ nicht vorhersehen konnte (voll daneben, Medien und Politik lecken ihre Wunden, nachdem sie einige Ereignisse komplett falsch vorhergesagt hatten)….

Nur drei Volltreffern (Brexit, Trump, AfD) stehen drei Teil-Treffer und drei volle Fehlschüsse gegenüber. Das kann nur besser werden… Ich kann mich aber zumindest damit trösten, dass auch andere Propheten nicht so ganz richtig lagen.

Erläuterungen zu den aktuellen Vorhersagen:

„Neues Jahr, neues Glück!“ – unter diesem Motto habe ich mich auch dieses Jahre wieder an einige Prophezeiungen gewagt.

Grundsätzlich lege ich – gerade angesichts der nachfolgend noch näher zu beleuchtenden geopolitischen Risiken – für meine Betrachtungen ein „Weiterwursteln“ der verantwortlichen Politiker zu Grunde. Damit dürfte die „Grundstimmung“ weiter ein leicht stagflationäres Szenario sein: Die Wachstumsraten der Wirtschaft werden sich in den entwickelten Volkswirtschaften zwischen 1% und 3% bewegen, während die Inflationsraten steigen, möglicherweise auch über die Zielgröße von 2%. Der Zinsanstieg wird damit an Fahrt aufnehmen.

Wie McKinsey schon im Mai letzten Jahres darstellte, sind die „geopolitischen Risiken auf dem Vormarsch„. Diese Risiken können – gerade in Kombination – den berühmt berüchtigten Tipping Point repräsentieren, der die prekär-stabile Wirtschaftslage zum Kippen bringt. Konkret würde ich diese Risiken und ihre Eintrittswahrscheinlichkeit wie folgt kategorisieren:

1. Cyber-Angriff. Wie schon in einem vorherigen Post dargestellt, halte ich dieses Jahr für das Jahr, in dem erstmalig ein großer Cyber-Angriff bestimme oder/und weite Teile des Internets mit signifikanter Auswirkung auf die Wirtschaftslage lahmlegen wird.

2. Russland. Auch wenn ich nicht glaube, dass Russland nach seinem „Ukraine-Abenteuer“ und dem Einsatz in Syrien schon auf neue Abenteuer aus ist, könnte es durchaus zu Versuchen der Einflußnahme zum Beispiel in den Baltenrepubliken kommen. Selbst wenn man die Invasionsszenarien anderer Autoren nicht teilt, so würde ich niederschwellige Aggressionen (Cyber-Angriffe, gesteuerte Proteste russischer Minderheiten) nicht ausschließen.

3. Europa / Deutschland / Wahlen. Nach Brexit und Trump umweht Wahlen mittlerweile der Hauch der Revolution, möchte man meinen. In Europa finden sie dieses Jahr in den Niederlanden, Frankreich, aber auch in Deutschland statt. Mein Tipp ist, dass bei unseren nicht unbedingt fußballstarken Nachbarn Herr Wilders gewinnen wird (das wäre nicht so besonders überraschend), dass er aber umgehend auch ein Referendum zum Austritt aus der EU in Gang setzen wird – das wäre der zweite Domino-Stein nach dem britischen Abgang. Damit würde dann die – ebenfalls nicht überraschende – Nicht-Wahl von Marie LePen zur französischen Präsidentin etwas an Glanz verlieren… Die Italiener werden bei etwaigen Wahlen vielleicht harscharf an einer Mehrheit der Austrittswilligen vorbeischrammen – aber der Preis dafür wird eine weitere De-Stabilisierung des Euro sein.

Bis zur Bundestagswahl (17.-24.09.) finden zuvor noch Landtagswahlen im Saarland (26.03.), Schleswig-Holstein (07.05.) und Nordrhein-Westfalen (14.05.) statt (Quelle). Laut Meinungsumfragen liegt die AfD in Brandenburg mittlerweile bei 20% und die niedersächsische Landesregierung hat keine Mehrheit mehr – „Dank“ der AfD (die dort aber „nur“ auf 8% kommen würde. Ich gehe davon aus, dass die Parteien auf diese Entwicklungen – und etwaige AfD-Erfolge im Saarland – ihrerseits populistisch reagieren werden. Viel wird bei allen Wahlen aber von den Terroristen abhängen: Jeder Terroranschlag dürfte den Rechten mehr Stimmen bringen.

4. Ich tippe trotzdem auf eine Abwahl von Frau Merkel („wer rechts wählt, bekommt links“) und eine rot-rot-grüne Koalition mit, ja, sie ahnen es, Siggi vorne. Die AfD wird mit über 10% in den Bundestag einziehen, aber keiner will mit ihr koalieren. Dann wird die CDU im Regen stehen, selbst mit der FDP im Bundestag. Schon rein rechnerisch wird es unter diesen Umständen nur zu einer linken Regierung reichen. Die werden dann das „Berliner Modell“ loben (auch wenn es mit dem erneuten Versagen beim BER, einem (vergesslichen hauptamtlichen!) Stasi-Mitarbeiter als Staatssekretär und dem wichtigen Projekt der Unisex-Toiletten schon jetzt Schiffbruch erlitten hat – alles das im Angesicht des unmittelbar zuvor erfolgten Terroranschlages am Breitscheidplatz!) und sich ein Beispiel hieran nehmen – also wird Sigmar Gabriel die Neujahrsansprache halten.

5. China. Die Entwicklungen in China beobachte ich schon seit 2011 (zuletzt hier). Die Wachstumsgeschwindigkeit in China hat sich trotz Rekord-Schuldenaufnahme und Rekord-Abwertung des Yuan weiter verlangsamt (s. hier). Man muss nicht mit hellseherischen Fähigkeiten gesegnet sein, um vorherzusagen, dass die Wachstumsgeschwindigkeit zumindest weiter nachlassen wird. Zwar wird die chinesische Zentralregierung auch angesichts des im Oktober bevorstehenden 19. Parteitages der Kommunistischen Partei Chinas das Wachstum offiziell wohl nicht unter 6,7% sinken lassen. Angesichts der derzeitigen massiven Interventionen am Kapitalmarkt dürfte ein dieser Quote tatsächlich auch nur nahe kommendes Wachstum nur durch ein weiteres Abschmelzen der Devisenreserven, neue Schulden und eine Währungsabwertung zu stemmen sein. Auch ist China – vielleicht auch in Anbetracht weiterer Provokationen durch Donald Trump – in meinen Augen für eine Intervention im südchinesischen Meer oder in Taiwan gut.

6. / 7. USA. Donald Trump ist DIE Wild Card. Nicht wenige sind davon überzeugt, dass er scheitern wird. Der Immobilienmarkt droht, schon wieder zu überhitzen. Bei einem Kreditvolumen von USD 50 Mrd. sind die „Haus-Flipper“ schon wieder unterwegs. Scheinbar hat der Kater vom letzten Excess nicht lange genug vorgehalten. Diese Liste ließe sich unendlich fortsetzen – aber bei THE DONALD kann man sich eh nicht sicher sein, welche Twitter-Botschaften der nächste Tag bringt.

8. Europa / Euro. Der Euro ist gescheitert – zumindest in seiner jetzigen Form. Dazu muss man nicht unbedingt allen Thesen von Herrn Sinn zustimmen. Schon die Lektüre diverser Blogs, wie dessen von Daniel Stelter zeigen diverse Argumentationslinien auf, die selten in der Hochleistungspresse zu lesen sind. Dabei ist die reine Verschuldungssituation des „Club Med“ wahrscheinlich noch nicht einmal das größte Problem, sondern die Perspektivlosigkeit schon angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit.

9. /10. Türkei. Zwar hat das Parlament den Bestrebungen Erdogans zur Errichtung eines Präsidialsystems nachgegeben. Trotz (oder gerade wegen?) der teilweise extremen Versuche der Ausschaltung der Opposition schätze ich die Chancen, dass das Volk dem Vorschlag nicht zustimmt, als relativ hoch ein. Erdogan wird danach sowohl mit einem „loss of face“ als auch mit akuten wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben – und wird sein Heil tw. in der Außenpolitik suchen. Das wird dann zu Bündnissen etwa mit Putins Russland führen.

Wenn einer dieser – oder ein anderer hier nicht diskutierter (z.B. China greift Taiwan an) –  Tipping Points überschritten wird, dann wird mit ziemlicher Sicherheit das oben beschriebene Basis-Szenario kippen. So dürften die Auswirkungen der für die Türkei prophezeiten Entwicklungen die „schwarze Null“ im bundesdeutschen Haushalt obsolet werden lassen. Treffen sie mit Schuldenschnitten für Griechenland oder Rettungsschritten für Italien zusammen, wird eine zukünftige Bundesregierung – trotzt Rekordhaushalt- verzweifelt nach weiteren Einnahmequellen suchen.

….dann schauen wir mal, ob ich in diesem Jahr ein höhere Trefferquote habe…

2 Gedanken zu „Stell dir vor, es ist der 31. Dezember 2017, 20:30 ….“

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