Das Rennen ist entschieden…

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…und die Elektromobilität wird den Automobilverkehr innerhalb der nächsten zehn bis zwanzig Jahre radikal verändern. Das liegt weder an (volkswirtschaftlich fragwürdigen) „Incentives“, wie der „Herdprämie“ für E-Autos, noch an den sich anbahnenden (verfassungsrechtlich fragwürdigen) Verboten von KfZ mit Verbrennungsmotoren, wie etwa in Norwegen,

…sondern vielmehr an Elon Musk. Hat er doch den Urtrieb des Mannes verstanden: die Sehnsucht nach dem Geschwindigkeitsrausch. Seit ich die Meldung las, dass einer seiner Prototypen in 2,6 Sek. von 0 auf 100 km/h beschleunigte, ist mir klar, dass das Rennen gegen den Verbrennungsmotor gelaufen ist. Wer will sich schon in einem mehrere hunderttausend Euro teuren Super-Sportwagen von einem höchstens die Hälfte kostenden E-Familien-Mobil „versägen“ lassen (entsprechende Vorstellung dazu bei Focus-TV)? Zumindest kein deutscher Mann – gerade wenn man sich die einschlägigen Berichte in der Motor-Berichterstattung durchliest (sehr gutes Beispiel dazu: „Der zündet wie eine Rakete„, Die Zeit, 10. Dezember 2015).

An diesem Trend der Automobilindustrie lassen sich viele Wirtschaftstheorien und noch viel mehr Beobachtungen im Sinne der Behavioural Economics festmachen:

  1. Verbote – wie sie neben Norwegen in Deutschland z.B. die nicht gerade als technikverliebt geltenden Grünen fordern – wirken nicht innovationsfördernd, sondern erzeugen eher Widerstand. Schon Saint-Exupéry sagte: „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Aber auch die bereits angesprochene „Herdprämie“ für den Erwerb von E-Mobilen (korrekt: „Umweltbonus“) dürfte – wie alle Subventionen – eher zu Mitnahme- denn zu wirklichen Fördereffekten führen. Diesen „Klassikern“ der politischen Willensdurchsetzung dürfte Elon Musk mit seiner am Kleinhirn des Mannes ansetzenden „Innovation“ spielend „davonfahren“.
  1. Generell ist die Entwicklung von Automobilen wahrscheinlich am Ende der sog. „S-Kurve“ – also am Ende des Lebenszyklus – angelangt. Nimmt man die Zahlen aus dem bereits zitierten Zeit-Artikel („Der zündet wie eine Rakete„) für bare Münze, dann geben die deutschen Automobilfirmen jährlich um die Euro 30 Mrd. für die Entwicklung neuer Autos aus, während die deutschen Pharmafirmen gerade mal sechs Milliarden Euro im Jahr auf den Tisch blättern. Und, wozu werden diese Euro 30 Mrd. ausgegeben? Z.B. für eine Weiterentwicklung der geregelten Vorderachs-Differenzialsperre, damit ein Golf GTI noch schneller durch die Kurve  fahren kann. VW hat drei Jahre daran getüfftelt. „Innovation“ sieht anders aus…
  1. Angesichs der Tatsache, dass es sich zumindest bei Elektromotoren um eine eher simple Technologie handelt (Baukästen zum Bau von (funktionsfähigen!!) Elektromotoren gibt es schon für unter fünf Euro im Fachhandel, googeln Sie aber mal „Bausatz Verbrennungsmotor„, da gibt es nur nette Plastikmodelle ohne Funktionsfähigkeit), dürfte die S-Kurve bei E-Motoren schon erreicht, bzw. überschritten sein. Die „Musik“ liegt augenscheinlich (s. oben die Berichte zu Tesla) noch in der Batterietechnik. Es ist aber absehbar, dass mit zunehmender Elektrifizierung die derzeitigen Entwicklungsbudgets mehr und mehr in diese Richtung (anstelle von irgendwelchen Vorderachs-Differenzialsperren) gelenkt – und damit das Erreichen des Endes der S-Kurve auch hier beschleunigen werden.
  1. E-Autos benötigen aber auch insgesamt wesentlich weniger Technik, als die bisherigen durch Verbrennungsmotoren angetriebenen KfZ – und das beileibe nicht nur beim „Motor“. Ganze Antriebsaggregate mit Kupplungen (und Differenzialen!) werden dann entfallen. Dieser neue Minimalismus wird sich wahrscheinlich noch schneller und heftiger auf die deutsche Arbeitnehmerschaft auswirken, als die allseits gefürchtete „Robotisierung„. Es steht also zu erwarten, dass der Strukturwandel in der deutschen (Auto-)Industrie in den nächsten Jahren mit höherer Geschwindigkeit weiter gehen wird.
  1. Und das gilt wohl unabhängig vom Schicksal, das Tesla nimmt. Selbst wenn Tesla an seinen derzeitigen Problemen (tödliche Unfälle mit Autopiloten, brennende Batterien oder wackelige Finanzierung) scheitern sollte, werden etwaige Erwerber aus der Insolvenz das Konzept schon am Leben erhalten und weiter entwickeln. Zumindest Porsche hat die Zeichen der Zeit erkannt – und will mit seiner „Mission e“ nicht nur Tesla Konkurrenz machen, sondern auch Arbeitsplätze in Deutschland schaffen.
  1. Natürlich bleiben genug technische Probleme, bis sich der E-Antrieb durchgesetzt haben wird: Die (Leistungsdauer von) Batterien hatte ich schon angesprochen. Was ist aber mit „Tankstellen“? Noch gibt es keine hinreichend konkreten Pläne für den Energienachschub. Zum einen gibt es aber schon erste Prototypen, die sich quasi selber mit Strom versorgen, zum anderen wird die Lösung der „Tankstellenproblematik“ auch von Lösungen bei der „Reichweitenproblematik“ und „Ladedauerproblematik“ abhängen. Denn zum einen haben wir heute praktischerweise Stromtankstellen in jedem Haushalt (nennt sich „Steckdose“), zum anderen werden E-Mobile mit Reichweiten um 2.000 km (man wird ja mal träumen dürfen!) eher weniger Tankstellen benötigen, als solche mit 300 km-Reichweite.

Aber: All das sind technische Probleme – solange der deutsche spätpubertierende Mann (also zwischen 18 und 70) die Aussicht hat, linksblinkend mit 300 km/h über die Autobahn zu „brettern“, werden ihn diese läppischen „Problemchen“ eher zu wahren Lösungshöchstleistungen antreiben, als das Projekt zu verlangsamen. Und das ist die wahre Leistung von Elon Musk: er hat den Männern die Sehnsucht nach der E-Beschleunigung gelehrt.

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